Elisabeth Steinkellner: Papierklavier

Der Roman „Papierklavier“ von Elisabeth Steinkellner ist 2020 im Beltz & Gelberg Verlag erschienen und wurde 2021 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Er eignet sich für Kinder ab 15 Jahren.

Das Buch handelt von der sechzehnjährigen Maia. Sie lebt gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren zwei jüngeren Schwestern Heidi und Ruth in einer sehr engen Wohnung, da die Familie nicht viel Geld besitzt.

„In dieser Familie ist alles zu knapp:

  • das Geld
  • die Vorräte in unserem Küchenschrank
  • der Platz in unserer engen Zweizimmerwohnung“

So muss sich Maia mit ihren zwei Geschwistern ein Zimmer mit einem Dreierstockbett teilen.

„Wir haben ein Dreifach-Stockbett […] als ‚Übergangslösung‘, wie es […] hieß. Bis wir alle zusammen in eine größere Wohnung ziehen würden. Nur, dass daraus dann nichts wurde. Alle, die das Bett sehen, finden es richtig cool. Mit uns tauschen will dann aber trotzdem niemand.“

Maias Mutter jedoch gibt nicht auf und arbeitet sehr viel, um die Familie über die Runden zu bringen. Das ist für sie aber auch nicht leicht, denn ihre drei verschiedenen Männer – von jedem ein anderes Kind – haben sie alle verlassen.

„Mama […]: Der erste ist abgehauen, der zweite wollte mich zur Abtreibung zwingen und der dritte hatte schon eine Frau und drei Kinder in Spanien, wie sich leider viel zu spät herausgestellt hat. Von keinem habe ich je Geld gesehen.“

Glücklicherweise gab es Oma Sieglinde. Sie war die Nachbarin von Maia und ihrer Familie, aber nicht ihre richtige Oma. Trotzdem war sie immer für die Kinder da – bis sie mit 74 Jahren starb.

„Sie war vierundsiebzig, aber fit wie eine 40-jährige. Oder wie eine 16-Jährige. Eigentlich sogar fitter als so manche 16-Jährige (als ich).“

Maia hat der Tod von Oma Sieglinde sehr mitgenommen. Besonders schlimm jedoch geht es Heidi, denn oft spielte sie auf dem Klavier von Oma Sieglinde und komponierte sogar eigene kleine Lieder.

„Für Heidi ist es natürlich am schlimmsten, sie hat gestern stundenlang geweint, bis keine Träne mehr kam. Heute liegt sie einfach nur in ihrem Bett und starrt an die Wand.“

Also beschließt Maia kurz nach Oma Sieglindes Tod, Heidi zu helfen und sich nach einer Klavierlehrerin umzuschauen. Dabei gibt es allerdings ein Problem – das Geld.

„‚Es muss nun mal Geld für die Klavierstunden her. Oma Sieglinde meinte immer, Heidi hätte echt Talent. Die spielt ja schon richtig schwierige Stücke! Das kann man doch nicht einfach so wegwerfen, oder?‘“

Kurzfristig übernimmt Maia eine zusätzliche Schicht in einem Saftladen, in dem sie schon seit längerem arbeitet.

„Wenn mich die Leute fragen, wo ich arbeite, sage ich immer: ‚In so einem Saftladen.‘ Dann meinen die ganz automatisch, ich wäre Kellnerin in irgendeinem langweiligen Café. Nur arbeite ich eben wirklich in einem Saftladen. Dienstags und donnerstags von vier bis neun.“

Und neben der Verantwortung, die sie für ihre jüngeren Geschwister auf sich nimmt, hat sie auch noch eigene Probleme…

Mir gefällt das Buch sehr gut.

Das liegt besonders an der Gestaltung des Romans. „Papierklavier“ ist nämlich Maias Tagebuch, das sie von Oma Sieglinde bekommen hat. Die Seiten wurden von Anna Gusella illustriert, sodass das Buch wirklich wie ein echtes Tagebuch aussieht. Die Autorin hat zudem auch auf kleine Details geachtet, so gibt es in „Papierklavier“ beispielsweise keine Seitenzahlen, weshalb ich bei den Zitaten auch nicht die entsprechende Stelle im Roman angeben konnte.

Das Buch ist außerdem sehr lustig und hört sich so an, als hätte es eine sechzehnjährige geschrieben. So erzählt der Roman keine zusammenhängende Geschichte, sondern jede Seite spricht ein neues Thema an.

Auch kommt man Maia in „Papierklavier“ sehr nahe und nach kurzem Lesen ist sie einem gleich sympathisch.

Gut gefällt mir auch, dass Maias Probleme und ihr Leben nicht zu dramatisch dargestellt werden. So hat Maia eine gute Freundin, Carla, die eigentlich Engelbert heißt und sich noch keinem Geschlecht zuordnen kann. In vielen anderen Jugendbüchern würde dieses Thema total übertrieben dargestellt werden, hier taucht Carla nur am Rand auf und es wird kein großer Wirbel um sie gemacht.

Insgesamt würde ich „Papierklavier“ also auch jüngeren Personen unter fünfzehn Jahren empfehlen.

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