
Der Roman „Seeland – Per Anhalter zum Strudelschlund“ von Anna Ruhe ist 2015 im Arena Verlag erschienen. Er hat 285 Seiten und eignet sich für Kinder ab 10 Jahren.
Das Buch handelt von einem dreizehnjährigen Jungen namens Max Hickmans. Er musste zusammen mit seiner Mutter und seiner Großmutter von London nach Bittie Cross umziehen, findet diesen Ort jedoch sehr langweilig.
„Hier fuhr so gut wie nie ein Auto vorbei, aus keinem Fenster drang Musik und die leer gefegten Gehsteige erinnerten ihn an eine Geisterstadt. In Bittie Cross war es still. Stiller als still […] Solange es sich um einen Besuch handelte, konnte man es in Bittie Cross schon aushalten. Aber hier wohnen? Für immer?“ (S. 9/10)
Dennoch muss er hier bleiben, denn seine Mutter Lynn macht mit ihrer Malerei in Bittie Cross einen größeren Gewinn. Max ist davon jedoch nicht ganz überzeugt.
„Keine Ahnung, warum seine Mutter glaubte, in Bittie Cross mehr Erfolg mit ihrer Malerei zu haben. Welcher Fischer gab schon Geld für Bilder mit leeren Vasen und Kannen in Neonfarben aus?“ (S. 10)
Auch deshalb beschließt er, wegzulaufen, besonders möchte er aber seinen verlorenen Vater Mortensen Hickmans suchen.
„Er für seinen Teil würde einfach wieder zurück nach London fahren und seinen Vater suchen. Den Mann, von dem angeblich keiner wusste, wo er steckte. Wenn das mal stimmte. Ab heute würde er der Sache selbst auf den Grund gehen.“ (S. 10)
Max ist sehr motiviert, denn bei sich zu Hause hat er einen Briefumschlag mit der Adresse seines Vaters, einem Hochzeitsfoto und einer merkwürdigen Brille gefunden. Und auch wenn Max seinen Vater nicht kennt, ist er plötzlich sehr interessiert, seinem Verschwinden auf die Spur zu gehen.
„Normalerweise dachte Max nur wenig über seinen Vater nach. Jemanden, den man nicht kannte, vermisste man für gewöhnlich auch nicht. Doch plötzlich wirbelten tausend Fragen in seinem Kopf herum.“ (S. 14)
Gleich neben seinem Haus läuft Max jedoch ein wildes Mädchen namens Emma Leeves in die Arme, die auch in Bittie Cross nahe am Ortsausgang wohnt.
„Ein Mädchen kroch unter dem Uferbusch hervor und baute sich vor ihm auf, während sie den Sand von ihrer ausgebeulten Jeans klopfte. Das T-Shirt unter ihrer grünen Kapuzenjacke war vor Dreck schon ganz starr […] Das glatte, rotbraune Haar auf ihrem Kopf reichte ihr gerade bis unter die Ohren.“ (S. 11)
Emma aber wirft versehentlich die Brille, die in dem alten Briefumschlag von Max versteckt war, in einen alten Brunnen.
„Der Ruck bremste Emma mitten in der Bewegung, sie taumelte seitwärts Richtung Brunnenrand – während die Brille mit Schwung durch die Luft flog. Im nächsten Moment war ein dumpfes, klatschendes Geräusch zu hören.“ (S. 16/17)
Als die beiden Kinder mithilfe einer Strickleiter in den Brunnen klettern, um die Brille wiederzuholen, reißt das Seil bei ihrem Aufstieg und Max und Emma müssen im Brunnen ausharren und auf Rettung hoffen.
„Max hatte etwa die Hälfte der Strecke hinter sich gebracht, als es einen plötzlichen Ruck in den Seilen gab. Hektisch versuchte er, sich irgendwo festzuhalten, doch es war zwecklos. Im nächsten Moment rutschte er an der Mauer des Brunnens entlang und fiel klatschend zurück ins Wasser […]“ (S. 20)
Beim Warten entdeckt Emma einen alten Tunnel und als sie und Max ihn erkunden wollen, kommen sie durch einen kleinen Wasserfall plötzlich in eine andere Welt – Seeland. Hier gibt es Quallen, echte Meerjungfrauen und vieles mehr.
Doch das Beste: Max entdeckt eine Spur seines Vaters. Werden er und Emma Mortensen Hickmans ausgerechnet in Seeland wiedersehen…?
Ich finde das Buch ganz okay, obwohl ich Fantasy-Geschichten nicht sehr gerne mag. Die Geschichte ist spannend und ich kann mich gut in die Hauptpersonen Emma und Max hineinversetzen. Leider kann ich mir die vielen Wesen, die in „Seeland“ vorkommen, wie Meerjungfrauen, Riesenquallen und Wasserriesen nicht sehr gut vorstellen und mag diese auch nicht. Auch die Beschreibungen der Wasserwelt verstehe ich nicht ganz und oft war ich beim Lesen verwirrt, wie Seeland aufgebaut ist und wie genau die Häuser aussehen.
Insgesamt würde ich „Seeland – Per Anhalter zum Strudelschlund“ also nur denjenigen empfehlen, die Fantasy-Geschichten mögen.