
Der Roman „Die erstaunlichen Abenteuer des Aaron Broom“ von A.E. Hotchner ist 2021 in deutscher Übersetzung im Gerstenberg Verlag erschienen. Er hat 247 Seiten und eignet sich für Kinder ab 10 Jahren.
Das Buch handelt von einem zwölfjährigen Jungen namens Aaron Broom, der in den 1930er Jahren gemeinsam mit seinem Vater in St. Louis lebt. Allerdings ziehen die beiden oft um, da Aarons Vater nicht dauerhaft die Miete bezahlen kann.
„Da mein Vater immer wieder Mietverträge unterschrieb, wie sie es jetzt in der Krise gab und bei denen die ersten zwei, drei Monate nichts gezahlt werden musste, hatte ich elf verschiedene Schulen besucht. In der Nacht bevor die Frist ablief, packten wir dann immer unsere Sachen und zogen in eine neue Bleibe, wo wir wieder eine Weile mietfrei wohnen konnten.“ (S. 11)
Seine Mutter ist seit längerer Zeit in einem Lungensanatorium untergebracht.
„Zu der Zeit hatte der Doktor in der Klinik meine Mutter ins Fee-Fee-Sanatorium geschickt, um ihre Lunge wegen der Schwindsucht, wie sie die Krankheit nannten, behandeln zu lassen.“ (S. 12)
Aarons Vater selbst arbeitet als Vertreter für Uhren und stellt regelmäßig seine Sammlungen vor.
„[…] immerhin bekam er fünfundzwanzig Dollar in der Woche von der Firma Bulova, was einen Teil der Kosten für die Behandlung meiner Mutter im Fee-Fee-Sanatorium im Creve Coeur abdeckte, und sogar für unser Essen blieb noch ein bisschen was übrig, für die Miete allerdings nichts mehr. Die Stelle bei Bulova hatte er seit März und er wolle unbedingt […] ein paar Uhren verkaufen, damit er die Stelle auch behielt.“ (S. 7)
Durch die Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren verloren viele Menschen ihre Arbeit und wurden arm, so auch Familie Broom.
„[…] wir hatten ein richtig gutes Familienleben, bis zu dem Tag, an dem die Night-and-Day-Bank unterging. Mit diesem Ereignis, diesem einen schrecklichen Ereignis, ging alles, was wir waren, unser gesamtes Leben, mit unter […] Mein Vater hatte alles, was er besaß, jeden Penny, bei dieser einen Bank gehabt […] Um ihn herum brach alles zusammen.“ (S. 45)
Deshalb ist Aarons Vater sehr dankbar für seine Arbeit.
Schon bald aber gerät er in große Schwierigkeiten. Denn während er an einem Tag in einem Juweliergeschäft seine Uhrenkollektion vorzeigt, wird dort ein Überfall ausgeführt. Der Täter selbst konnte mit der Beute fliehen. So wird der Verdacht schnell auf Mr. Broom gelenkt, sodass dieser abgeführt wird.
„Anstatt seinen Koffer hinter sich herzuziehen, waren die Hände meines Vaters auf seinem Rücken mit Handschellen gefesselt […] ehe ich mich rühren konnte, hatte einer der beiden Polizisten die hintere Tür des Streifenwagens geöffnet, meinen Vater einsteigen lassen, die Tür wieder geschlossen […] Und so war mein Vater mir nichts, dir nichts fort. Auf dem Weg ins Gefängnis, nahm ich an.“ (S. 10/11)
Aaron selbst sieht all das von seinem Platz im Auto der Familie mit an, doch niemand kümmert sich um ihn. So steht er nach der Verhaftung seines Vaters alleine da.
„Mit einem Kopf, der sich wie Brei anfühlte, saß ich im Ford und hatte niemanden, an den ich mich wenden konnte. Ich hatte Angst und spürte die Tränen in mir hochkommen, dabei weine ich eigentlich nie, weshalb ich mit aller Macht versuchte, sie zu unterdrücken.“ (S. 11)
Als wären das nicht genug Probleme, bemerkt Aaron wenig später, dass die Wohnung seiner Familie versiegelt wurde. So hat er noch nicht einmal ein Dach über dem Kopf.
„Als ich an unserer kleinen Wohnung ankam, sah ich sofort das offizielle Schreiben der Polizei an der Tür […] Ich versuchte trotzdem aufzuschließen. Natürlich funktionierte es nicht. Mir rutschte das Herz in die Hose […] nun war ich eindeutig schlechter dran […], weil ich ohne Eltern war und nicht wusste, wo ich die Nacht verbringen sollte.“ (S. 22/23)
Sofort beschließt Aaron, die Unschuld seines Vaters zu beweisen.
Doch wie wird er sich alleine durchsetzen…?
Im Laufe des Buches werden Aarons Versuche, den echten Täter des Überfalls zu finden, beschrieben. Dabei bekommt er glücklicherweise jede Menge Hilfe: von Hauswart Vernie, einem Zeitungsboten namens Augie und sogar von einem echten Anwalt.
Mir gefällt das Buch ganz gut.
Die Geschichte ist spannend und man möchte schnell mehr über Aaron erfahren. Durch das Schreiben in der Ich-Perspektive Aarons kann man sich gut in ihn hineinversetzen. Zudem gefällt es mir, dass Aaron so handelt, wie vielleicht auch viele andere Kinder in seinem Alter gehandelt hätten. Das macht die Geschichte sehr lebendig.
Das Ende des Romans fand ich persönlich etwas zu lange hinausgezögert, da meiner Meinung nach Aarons Versuche, dem echten Täter auf die Spur zu kommen, zu lange beschrieben werden.
Dafür finde ich die Bilder von Tim Köhler ganz gut. Da auf ihnen oft Personen, die im Buch vorkommen, abgebildet sind, kann man sich die Geschichte etwas besser vorstellen, auch wenn man sich natürlich auch selbst ausdenken kann, wie die einzelnen Menschen aussehen.
Insgesamt würde ich den Roman „Die erstaunlichen Abenteuer des Aaron Broom“ an alle weiterempfehlen, die gerne Detektivgeschichten oder ähnliches lesen.