
Der Roman „Eins“ von Sarah Crossan ist 2016 in deutscher Übersetzung im Mixtvision Verlag erschienen. Er hat 418 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.
Das Buch handelt von zwei sechzehnjährigen siamesischen Zwillingen namens Grace und Tippi, die an der Hüfte miteinander verbunden sind.
„Tippi und ich gehören zu dem seltenen Ischiopagus Tripus-Typ. Wir haben zwei Köpfe, zwei Herzen, vier Lungenflügel und Nieren. Wir haben auch vier Arme und ein Paar voll funktionstüchtiger Beine, [...]“ (S. 18)
Tippi und Grace stört dies jedoch nicht, da sie es einfach nicht anders kennen.
„Es ist wirklich nicht so schlimm. So ist es eben immer. Wir kennen es nicht anders. Und ehrlich gesagt sind wir normalerweise ganz glücklich zusammen.“ (S. 18/19)
Auch ihre vierzehnjährige Schwester Nicola, die nur Dragon genannt wird, hat kein großes Problem mit ihren zwei Schwestern. Grace allerdings hat oft Angst, Dragon unbeliebt zu machen.
„[…] ich frage mich schon, ob es sie nicht ankotzt, unsere Schwester zu sein, ob sie es nicht auch zu einem Freak macht.“ (S. 16)
Die Öffentlichkeit jedoch reagiert ganz anders auf Tippi und Grace. Oft werden die beiden fotografiert, angestarrt oder angesprochen.
„Die Leute finden uns grotesk, vor allem aus der Ferne, wenn sie uns als Ganzes sehen, dass unsere Körper eindeutig zwei sind, die dann verschmelzen, plötzlich, an der Hüfte.“ (S. 48)
Und obwohl Grace und Tippi das sehr nervig finden, beschließen ihre Eltern, die beiden auf eine öffentliche Schule zu schicken. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Zwillinge nämlich nur zu Hause unterrichtet.
„[…] wie aus heiterem Himmel verkündet Mum, dass Tippi und ich nicht länger zu hause unterrichtet werden. ‚Ab September werdet ihr zur Schule gehen wie alle anderen auch‘, sagt sie.“ (S. 10)
Grace findet diese Entscheidung ganz in Ordnung, Tippi jedoch ist gar nicht damit einverstanden. Trotzdem haben die beiden keine andere Wahl, denn ihre Eltern können es sich nicht mehr leisten, die Zwillinge zu Hause zu unterrichten. Schon länger hat die Familie mit Geldproblemen zu kämpfen, auch, weil der Vater von Grace und Tippi viel für Alkohol ausgibt.
„ ‚Die Spenden von euren Gönnern sind aufgebraucht und wir können es uns einfach nicht mehr leisten, euch zu Hause zu unterrichten, Ihr wisst, dass euer Dad noch keinen neuen Job hat […]‘ ‚Ihr Mädchen seid ziemlich kostspielig‘, fügt Dad hinzu [...]“ (S. 11)
Wie wird es Grace und Tippi in dieser neuen Umgebung wohl ergehen…?
Im Laufe des Buches wird zunächst Graces und Tippis neuer Alltag und das Leben in der Schule beschrieben, gegen Ende geht es auch um die Gesundheit der beiden, die sich durch den Stress und das neue Leben langsam verschlechtert. Der gesamte Roman ist in Versform geschrieben.
Mir gefällt das Buch sehr gut.
Ich finde es interessant, mehr über das Leben von siamesischen Zwillingen zu erfahren und während des Lesens dieses Buches konnte ich mir das Leben von Grace und Tippi besser vorstellen. Da der Roman aus der Perspektive von Grace geschrieben ist, kann man sich gut in sie hineinversetzen.
Auch das Schreiben in der Versform ist bei dieser Geschichte passend. Dadurch liest sich der Roman zwar schneller, die Handlung erscheint dafür jedoch fließender. Dies ist sogar das zweite Buch, das ich von Sarah Crossan lese. Das erste Buch, „Die Sprache des Wassers“, zu dem ich auch eine Besprechung veröffentlicht habe, ist auch in Versform geschrieben.
Manche Punkte über den Körperbau von Grace und Tippi habe ich leider immer noch nicht verstanden, was ich aber nicht schlimm finde.
Ich würde „Eins“ also dennoch weiterempfehlen.