Klaus Kordon: Julians Bruder

Der Roman „Julians Bruder“ von Klaus Kordon ist 2006 im Beltz Verlag erschienen. Er hat 618 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.

Das Buch handelt von einem Jungen namens Paul und seinem Freund Julian, genannt „Jule“. Die beiden wohnen in den 30er Jahren gemeinsam in Berlin in der Jablonskistraße 53. Ihre Wohnungen liegen direkt nebeneinander, sodass sie sehr gute Freunde sind und von den anderen Nachbarn nur noch die „Zwillinge“ genannt werden.

„Ja, wir waren wohl wirklich so etwas wie Zwillinge – weil wir so unzertrennlich waren. Immer steckten wir zusammen, nur selten sah man einen von uns allein. Oft suchte der eine den anderen.“ (S. 13)

Die beiden gehen sogar in die gleiche Klasse und auch Jules und Pauls Familien verstehen sich untereinander sehr gut und helfen einander. Besonders Pauls jüngere Schwester Sybille, von allen nur „Bille“ genannt, mag Jule sehr.

„Bille ist auf den Namen Sybille getauft, wurde aber vom ersten Tag ihres Lebens an nur Bille gerufen. Sie ist nur ein Jahr jünger als ich und war oft dabei, wenn Julian und ich etwas unternahmen; später sogar fast immer.“ (S. 15)

Es gibt nur ein Problem: Jule und Jules Familie sind Juden.

Auch wenn Jule nicht beschnitten wurde und evangelisch getauft ist, ist er trotzdem Jude. Dies wundert Jule und Paul sehr, denn sie wussten nicht, was Juden sind – bis Jules Eltern ihnen alles erklären. Die zwei sind jedoch immer noch verwirrt und können nicht verstehen, was die anderen an diesen Juden so schlimm finden.

„Jule […] war evangelisch getauft und sah nicht aus wie die Karikaturen, die in den Zeitungen und Illustrierten abgebildet waren: hässliche, langnasige ‚Schacherjuden‘, in deren Augen Raff- und Geldgier, bösartige Schlauheit, Geilheit und Prunksucht leuchteten.“ (S. 17)

Bald merkt Jule aber, dass er trotzdem als Jude bezeichnet wird und als er und Paul einen neuen Klassenlehrer – einen Nazi – bekommen, fällt ihm Jules jüdischer Nachname „Sternberg“ auf. Schnell organisiert dieser Jules Schulwechsel auf eine extra jüdische Privatschule, sodass Jule nun einen sehr langen Schulweg hat.

„Julians Eltern meldeten ihren Sohn […] auf einer jüdischen Privatschule an. Sie lag im Grunewald und so hatte Jule nun einen weiten Schulweg […] Anderthalb Stunden brauchte Jule für die Fahrt dorthin.“ (S. 25)

Doch auch Jules Freizeit wird immer weiter eingeschränkt. Schon bald dürfen er und Paul nicht mehr zusammen ins Kino und auch auf der Straße gehen die beiden in den Vierteln, in denen man sie kennt, nicht mehr nebeneinander.

„Da wir uns in unserer Straße nicht mehr zusammen blicken lassen konnten, ohne Anfeindungen ausgesetzt zu sein, gingen Jule und ich nun oft spazieren. Durch möglichst weit entfernte Stadtteile, in denen uns niemand kannte.“ (S. 85)

Trotzdem hält Jules und Pauls gemeinsame Freundschaft und Paul lässt Jule nicht im Stich, was auch Julians Eltern gefällt.

„Julians Mutter mochte Bille und mich wirklich sehr. Von dem Tag an jedoch, an dem der Breitenstetter aufgedeckt hatte, dass Julian Jude war, beobachtete sie uns […] Sie wollte wohl herausfinden, ob die Freundschaft hielt. Als sie dann mitbekam, dass wir Jule vor den anderen Kindern verteidigten, schloss sie uns noch mehr ins Herz.“ (S. 45)

Jules Lage wird durch die politische Situation dennoch nicht besser und kurz nach dem Reichstagsbrand 1933 beschließen seine Eltern schweren Herzens, ihn mit einem der Kindertransporte in Sicherheit zu bringen.

Jule ist damit jedoch gar nicht einverstanden und überredet seine Eltern, dass er noch bei ihnen bleiben darf.

„Erst hörte Jule nur still zu; als er begriffen hatte, dass er ohne seine Eltern weggehen sollte, lehnte er das sofort ab. ‚Ohne euch gehe ich nicht‘, sagte er, ‚da braucht ihr gar nicht länger auf mich einzureden.‘ “ (S. 110)

Damit jedoch hat Jule seine letzte Chance verpasst…

Im Laufe des Buches wird über das Leben von Jule und Paul berrichtet, insbesondere werden die Veränderungen für Jule beschrieben.

Mir gefällt das Buch sehr gut.

Obwohl ich schon viele Bücher über Juden und generell über den 2. Weltkrieg gelesen habe, finde ich dieses Buch trotzdem interessant. Ich habe den Eindruck, dass man das Geschehen von einem ganz anderen Blickwinkel beobachten kann, auch, weil die Unterschiede von einer „normalen“ Familie (Paul) und Juden (Julian) beschrieben werden.

Die Handlung und auch einzelne schwierige Begriffe kann man gut verstehen. Am Ende des Buches gibt es zudem eine Liste mit schwierigen Wörtern, die man jederzeit nachschlagen kann.

Besonders gut gefällt mir „Julians Bruder“ jedoch, weil man auch das Geschehen nach dem Krieg noch miterlebt. In dieser Zeit beginnt bei Julian und Paul nämlich ein ganz anderer Kampf, den ich sogar interessanter als die Zeit während des Krieges finde.

Leider finde ich, dass sich der Roman etwas in die Länge zieht. Manche Handlungen könnten weniger umschrieben sein.

Dennoch würde ich „Julians Bruder“ allen empfehlen, die sich gerne mit dem 2. Weltkrieg oder der Verfolgung der Juden beschäftigen.

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