
Der Roman „Dunkles Gold“ von Mirjam Pressler ist 2019 im Beltz Verlag erschienen. Er hat 332 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.
Das Buch handelt von der vierzehnjährigen Laura, die gemeinsam mit ihrer Mutter in Erfurt lebt. Lauras Mutter arbeitet als Wissenschaftlerin für jüdische Geschichte und mag ihren Beruf sehr gerne.
„Bei uns drehte sich […] alles nur um die Michaelisstraße. Das lag natürlich daran, dass meine Mutter schon seit vielen Jahren mit dem Schatz und über den Schatz arbeitete, den man in dieser Straße bei Grabungsarbeiten gefunden hatte. Als Kunsthistorikerin interessierte sie sich grundsätzlich nur für die mittelalterliche jüdische Geschichte Erfurts […]“ (S. 17)
Das Spezialgebiet von Lauras Mutter ist genau dieser Schatz. Er wurde 1998 bei Bauarbeiten gefunden und besteht aus Hunderten von Münzen, Schmuckstücken und einem bedeutenden Ring, die ein jüdischer Händler und Bankier wahrscheinlich 1349 vergraben hat, um sicher vor den Pestpogromen fliehen zu können.
Laura nervt der Schatz etwas, da ihre Mutter ihr in jedem passenden Moment etwas über seine Geschichte beibringen will.
„[…] mir gingen die Gespräche darüber, die mich so ungefähr seit meiner Geburt verfolgten, auf die Nerven. Der Schatz war das ewige Thema meiner Mutter, und ich hatte nicht die geringste Lust, es von mir aus anzuschneiden. Im Gegenteil, ich setze meine ganze Geschicklichkeit ein, ihm auszuweichen.“ (S. 11)
Schon bald kommt ihr aber die Idee, eine Graphic Novel, also einen Comic, über die damaligen Besitzer des Schatzes zu malen. Da Laura eine begabte Zeichnerin ist, fängt sie an, erste Entwürfe zu starten. Generell freut sie sich schon sehr auf das Gestalten der Graphic Novel.
„Später, vor dem Einschlafen […] fiel mir ein, was auf dem Deckblatt meiner Graphic Novel zu sehen sein würde: Die alte Synagoge bei Nacht. Das Gebäude wird nur schwach vom Mond beleuchtet, man erkennt die Fenster und die Konturen des Dachfirsts, die Seitenmauern vermischen sich mit den Mauern der umliegenden Häuser.“ (S. 70)
Nach und nach kommen ihr immer mehr Ideen und bald hat sie sich dazu entschlossen, die Hauptfigur ihrer Zeichnung Rachel zu nennen. Sie soll die Tochter von Kalman von Wiehe sein, der seinen gesamten Besitz im Keller des Hauses vergräbt und noch in der selben Nacht mit Rachel und Rachels Bruder Joschua flieht.
Laura möchte jedoch auch etwas Hilfe haben, weshalb sie jemanden sucht, der sich gut mit der jüdischen Geschichte auskennt.
Bald lernt sie Alexej kennen. Er geht auf die gleiche Schule wie Laura und ist Jude. Laura möchte von ihm Hilfe für ihren Comic finden.
„Er stand in der Pause wieder an seinem Platz unter der Kastanie und spielte mit seinem Handy, und ich, ich ging einfach auf ihn zu, ohne lange nachzudenken, ohne zu planen, ohne mich misstrauisch umzuschauen, wer mich dabei beobachten könnte.“ (S. 65)
Nachdem Laura Alexej angesprochen hat, verstehen sich die beiden wirklich sehr gut, auch, weil er ihr gerne bei ihren Zeichnungen und der Geschichte von Rachel und Joschua hilft.
Was werden Rachel und Joschua auf ihrer Flucht erleben…?
Im Laufe des Buches wird abwechselnd Lauras Geschichte im Jahre 2017 und Rachels Geschichte im Jahre 1349 erzählt. Die beiden Schicksale der Mädchen vermischen sich.
Mir gefällt das Buch ganz gut.
Ich konnte während des Lesens viel lernen, besonders über die frühere Verfolgung der Juden. Ich habe in letzter Zeit nämlich sehr viele Bücher über den 2. Weltkrieg gelesen, weshalb ich das hier mal eine gute Abwechslung finde. Dabei kam mir die Geschichte auch nicht lehrreich vor und ich hatte nicht das Gefühl, dass die Autorin will, dass man etwas lernt. Nach dem Lesen des Romans habe ich im Internet auch noch mehr über den jüdischen Schatz in Erfurt gelesen, der ja auch wirklich existiert.
Auch die Überschneidung von Lauras und Rachels Geschichte finde ich sehr passend. Abwechselnd wird von Laura und von Rachels Leben berichtet. Dabei gibt es zudem viele Gemeinsamkeiten.
Ich finde das Buch leider etwas langsam beschrieben. In der gesamten Geschichte passiert nicht sehr viel und viele Punkte werden meiner Meinung nach viel zu genau beschrieben.
Sonst gefällt mir der Roman „Dunkles Gold“ aber sehr gut. Ich würde ihn also weiterempfehlen.