Mirjam Pressler: Ein Buch für Hanna

Der Roman „Ein Buch für Hanna“ von Mirjam Pressler ist 2011 im Beltz Verlag erschienen. Er hat 350 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.

Das Buch handelt von der vierzehnjährigen, jüdischen Hannelore Salomon, die 1925 in Leipzig geboren wird. Ihre Mutter, Rivke Salomon, arbeitet zu Hause als Näherin.

„Auf einem Stuhl lag die ordentlich gefaltete Wäsche, die die Mutter für ihre Kundinnen ausgebessert hatte, ein zweiter Stapel lag auf dem Tisch, und auf der Nähmaschine, die vor dem Fenster stand, sah Hannelore Vorhänge aus zarten, geblümten Musselinwolken.“ (S. 18)

Hannelore und ihre Mutter sind arm und besitzen nur das Nötigste.

„ ‚Wir müssen sparen‘ war wohl der Satz, den ihre Mutter am häufigsten benutzte […] Sie wusste […], wer heute nicht spart, kann morgen schon verhungern, und jeder Pfennig, den man ohne Not ausgibt, pflastert den Weg ins Verderben. Ihre Mutter passte auf, dass sie das nicht vergaß.“ (S. 10)

Hannelore beginnt 1939 eine landwirtschaftliche Ausbildung in Ahrensdorf und muss dort viel arbeiten.

„Die Sonne brannte vom Himmel, als wäre Hochsommer, dabei war es erst Anfang Mai. Der Schweiß lief Hannelore über das Gesicht und obwohl sie sich immer wieder mit dem Unterarm über die Stirn wischte, rannen ihr manchmal Schweißtropfen in die Augen […] Sie richtete sich auf und dehnte die Schultern nach hinten […] bevor sie sich erneut bückte, eine der durchgeschnittenen Kartoffeln aus dem Eimer nahm und in die lange, schnurgerade Furche legte […]“ (S. 9)

Die Ausbildung ist jedoch gleichzeitig eine Vorbereitung für eine spätere Auswanderung nach Palästina. Denn schon in dieser Zeit sind die Nazis an der Macht, verfolgen und grenzen die Juden aus und fangen an, Synagogen, Friedhöfe sowie jüdische Geschäfte zu zerstören.

Im Mai 1939 verlässt Hannelore also ihre Heimat und fährt mit einer Gruppe von einigen anderen Jugendlichen nach Dänemark, ihrem ersten Ziel.

„Ein paar Tage später ging Hannelore, begleitet von ihrer Mutter, zum Bahnhof […] Die Mutter trug Hannelores Rucksack, den sie am Vorabend noch gepackt hatte. ‚Nein, lass mich ihn tragen, du musst ihn noch lang genug schleppen‘, hatte sie gesagt […]“ (S.28)

Hannelore tut es jedoch sehr leid, ihre Mutter verlassen zu müssen.

„Hannelore rutschte tiefer in die Ecke und bedeckte ihr Gesicht mit der Jacke, die sie an den Haken neben ihrem Kopf gehängt hatte. Sie sah ihre Mutter vor sich, wie sie ihr morgens den Malzkaffee hingestellt und die Brote geschmiert hatte, Margarine mit Leberwurst, Brote, die jetzt, in Pergamentpapier gewickelt, in der linken Vordertasche ihres Rucksacks steckten.“ (S. 35)

In Dänemark kommt Hannelore in ein Zeltlager. Jedoch ist sie sehr einsam und schüchtern, findet aber trotzdem bald einige Freunde. Insgesamt gefällt es ihr im Zeltlager gut.

„Hannelore war glücklich und sogar die dänische Sprache machte ihr Spaß, jeden Tag lernte sie neue Wörter hinzu […] So viel wie in diesen Wochen hatte sie noch nie gelacht […]“ (S. 51)

Am 1. September wird Polen jedoch angegriffen und Großbritannien und Frankreich fordern Deutschland zum Rückzug der Truppen auf. Da dies jedoch nicht geschieht, beginnt der 2. Weltkrieg. Hannelore und ihre Gruppe verlassen das Zeltlager und werden zu jüdischen Familien in Kopenhagen gebracht. Hannelore kommt zu Familie Golde, bestehend aus Frau Golde, Herrn Golde, der elfjährigen Britta und dem achtjährigen Dani. Sie kommt sich etwas verloren vor, denn die Geschwister sind über ihre Ankunft nicht gerade erfreut. Auch das große Haus ist für sie sehr fremd.

„Das Haus, in dem ihre Gastfamilie wohnte, stand in einer Allee mit alten Bäumen, mit Vorgärten und breiten Auffahrten […] Hanna zog die Schultern hoch, das Haus war viel zu fein für sie.“ (S. 65/66)

Außerdem ärgert sich Hannelore sehr, denn ab nun darf sie nicht mehr Hannelore heißen. Da sich der Name „Hannelore“ zu deutsch anhört, wird sie nur noch Hanna genannt.

„Ich heiße Hanna, dachte sie, ab heute heiße ich Hanna. Wird man eigentlich ein anderer Mensch, wenn man einen neuen Namen bekommt?“ (S. 60)

Dennoch hat Hanna etwas, worauf sie sich freuen kann. Einmal in der Woche darf sie nämlich die Töpferwerkstatt von Jesper und Marie Sörensen besuchen und Töpfern lernen. Schnell merkt Hanna, dass sie sehr gerne mit Ton arbeitet und auch Jesper und Marie sind sehr nett zu ihr.

„Die Werkstatt von Jesper und Marie wurde in Kopenhagen zu Hannas eigentlichem Zuhause. Jeden Morgen, wenn sie aufwachte, war sie glücklich, weil sie wusste, sie würde wieder hingehen, heute, morgen, übermorgen…“ (S. 71)

Und auch die anderen Jugendlichen sieht Hanna regelmäßig. Besonders gut versteht sie sich mit der älteren Mira. Sie ist so etwas wie eine große Schwester für Hanna.

„Hanna war sehr stolz auf Mira. Ihre Freundschaft bedeutete ihr viel, auch wenn sie manchmal darunter litt, dass sie sich gegen die Ältere nicht wehren konnte. Ihr war aber klar, wie viel sie Mira zu verdanken hatte.“ (S. 137)

Ende 1940 wird es für Hanna und die anderen Jugendlichen dennoch zu gefährlich in Kopenhagen und sie werden auf verschiedene Bauernhöfe auf der Insel Fünen verteilt. Hanna lebt auf dem Lindenhof.

„Das Gehöft lag am Rand des Dorfs, halb verdeckt von einer Baumgruppe […] Nachdem das Auto an den Bäumen vorbeigefahren und nach rechts um eine Scheune gebogen war, lag ein großer, zur Hälfte gepflasterter Hofplatz vor ihnen, an drei Seiten eingerahmt von Stallungen und Schuppen.“ (S. 105)

Dort findet sie es nicht besonders schön. Den schweigsamen Bauern sieht sie nicht viel und seine Frau liegt krank im Bett. Zudem muss Hanna den ganzen Tag arbeiten und auch vor dem Schäferhund des Bauern fürchtet sie sich etwas.

„Es war ein Hund, ein mächtiger Schäferhund, die Rasse, vor der sich Hanna am meisten fürchtete, der plötzlich von irgendwoher auftauchte und mit wütendem Bellen auf sie zustürzte. Sie erstarrte, das Blut strömte ihr aus dem Kopf in die Beine und machte sie schwer […]“ (S. 103)

Erst als sie die Magd Bente kennenlernt, wird es für Hanna erträglicher. Bente sieht sehr hässlich und abschreckend aus, doch Hanna entdeckt in ihr schnell eine gute Freundin.

„[…] Bente hatte ein gutes Herz. Sie zeigte Hanna mit großer Geduld, wie das Leben auf dem Lindenhof ablief und welche Arbeiten von ihr erwartet wurden, und nie gab sie ihr ein böses Wort. Im Gegenteil, sie verteidigte sie […]“ (S. 106)

1943 nimmt Hanna an einem Hauswirtschaftskurs teil und lernt Sahra Hvid kennen. Die beiden verstehen sich gut und Sahra lädt Hanna ein, dass Neujahrsfest mit ihr und ihrer Familie zu verbringen.

„Der Vorabend des Neujahrsfestes fiel auf den 1. Oktober. Sie saßen um den festlich gedeckten Tisch, auf dem Kerzen brannten, und ein Dienstmädchen, das höchstens so alt war wie Hanna, servierte die Speisen.“ (S. 163)

Eines weiß Hanna jedoch nicht: In dieser Nacht sollen die dänischen Juden verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht werden. Auch die Familie Hvid soll abgeholt werden und weil Hanna bei ihnen übernachtet, muss sie mitkommen.

„Die Tür wurde aufgestoßen, Männer drängten herein, bewaffnete deutsche Soldaten in Uniform und Männer in Zivil, aber ebenfalls bewaffnet […] ‚Anziehen und fertig machen zum Transport‘, sagte der Zivilist.“ (S. 168)

Auch einige andere Jugendlichen aus Hannas Gruppe, darunter Mira, Rachel, Bella und Rosa, werden gefunden.

Alle zusammen werden in das Konzentrationslager Theresienstadt gebracht. Dort muss Hanna unter schrecklichen Bedingungen leben und Tag für Tag um ihr Überleben kämpfen.

„Der Tod war hier etwas Alltägliches. Ständig traf man diese hochrädrigen Holzkarren, mit denen alles Mögliche transportiert wurde […] auch Tote. Die Karren waren nicht lang genug, oft ragten Füße oder Köpfe der Leichen unter den Tüchern hervor, mit denen sie bedeckt waren […] Sie schaute schnell weg […] Wegschauen und Weghören gehörte zu dem neuen Leben, das begonnen hatte. Wie hätte man es sonst aushalten können, wenn SS-Männer mit ihren […] Knüppeln […] auf Häftlinge einschlugen, oft alte Menschen […] die dann blutend zusammenbrachen […]“ (S. 202)

Werden Hanna und ihre Freunde es schaffen, zu überleben…?

Im Laufe des Buches wird Stück für Stück Hannas Flucht und ihr neues Leben im Konzentrationslager beschrieben.

Mir gefällt das Buch gut.

Ich finde es interessant, mehr über das Leben der Juden zu erfahren und Hanna ist mir im Laufe des Romans immer mehr ans Herz gewachsen. Da das Buch sehr spannend ist, habe ich es schnell gelesen und konnte es gar nicht mehr aus der Hand legen.

Am Ende des Buches gibt es einen Glossar und eine Zeittafel, an der die ganze Handlung zusammengefasst ist. Das fand ich während des Lesens und auch beim Schreiben dieser Buchbesprechung sehr nützlich.

Ich hätte gerne noch eine Karte gehabt, auf der Hannas Weg eingezeichnet ist, denn oft konnte ich mir nicht genau vorstellen, wo Hanna sich gerade befindet.

Im Roman gab es zudem mehrmals einige Zitate aus Märchen, da Hanna ein großes Märchenbuch besitzt. Mich persönlich hat das ziemlich gestört, da ich Märchen nicht sehr gerne mag, das ist bei anderen aber sicher anders. Sonst gefällt mir „Ein Buch für Hanna“ aber sehr gut. Ich würde den Roman also weiterempfehlen.

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