
Der Roman „Kein Weg zu weit – Ein Mädchen zwischen Flucht und Hoffnung“ von Brigitte Blobel ist 2016 im Arena Verlag erschienen. Er hat 250 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.
Das Buch handelt von der siebzehnjährigen Azmera Teferi, die mit ihrer Familie in Eritrea lebt. Nur ihr Vater ist nicht bei ihnen, denn er ist aus seiner Heimat nach Schweden geflohen.
„Drei Jahre lang hatte man ihren Vater im Geheimgefängnis in Alla Bazit eingesperrt und gefoltert. Drei lange Jahre, in denen Azmeras Mutter ihn nur ein einziges Mal sehen durfte, und als sie von diesem Besuch nach Hause kam, sah sie aus, als wollte sie sterben […] Folter und Hunger hatten ihn ausgezehrt. Er sah aus wie ein Gespenst, als er nur zwei Monate nach seiner Entlassung fliehen musste, weil die Milizen einfach nicht von ihm ablassen wollten.“ (S. 20/21)
Auch Azmera möchte nach Europa fliehen, denn sie möchte Biologie oder Medizin studieren und so eine gute Zukunft haben.
Pater Umberto, ein Priester aus Azmeras Gemeinde, hilft ihr, zu flüchten und bringt sie zu einem Mann namens Assoud, der einen kleinen Bus hat und damit Flüchtlinge über die Grenze bringt.
„Assoud, dieser kleine, schmächtige Mann mit dem wilden Blick, ist ihre einzige Chance: Er ist der Fahrer, dem sie ihr Leben, ihre Zukunft anvertrauen will. Der sie mit seinem klapprigen VW-Bus über die Grenze bringen soll.“ (S. 7)
Gemeinsam mit einigen anderen Menschen, alles nur Männer, fährt Azmera los. Als einzige Frau in diesem Bus fühlt sie sich einsam und traut sich nicht, etwas zu sagen. Auch deshalb sagt sie nicht Bescheid, dass sie auf die Toilette muss und Stück für Stück geht es ihr immer schlechter.
„Die Krämpfe in ihrem Unterleib und die flirrende Hitze sorgen dafür, dass ihr Blick zu schwimmen beginnt. Wenn sie den Kopf zu schnell dreht, wird alles schwarz.“ (S. 37)
Nach vielen Stunden kommen sie endlich nah an die Grenze. Doch plötzlich wird der Bus gestoppt und überfallen und Azmera flüchtet gemeinsam mit den anderen Mitfahrern.
Bald hört sie jedoch nichts mehr von den Männern und Azmera bekommt große Angst.
„Azmera bleibt reglos liegen und lauscht in die Stille. Als sie sich vorsichtig umsieht, kann sie Jaco nirgends mehr sehen. Panik schnürt ihr die Kehle zu. Ihr Kopf ist so schwer, doch sie zwingt sich dazu, ihn zu wenden. Verzweifelt sucht sie die Umgebung ab. Nichts bewegt sich, sie hört niemanden atmen, kein schlurfendes Geräusch am Boden.“ (S. 47)
Dann fällt Azmera in Ohnmacht. Einige Zeit später wacht sie wieder auf und findet sich in einem fremden Bett wieder. Es stellt sich heraus, dass sie von Jaco, einem der Männer, die mit Azmera im Bus saßen, in die Nähe der Stadt Kassala gebracht wurde. Dort ist sie bei einer netten Frau namens Fatima untergekommen, die sich mit der Hilfe eines Doktors gut um Azmera gekümmert hat.
„Du hattest Fieber, dein Kopf war so heiß wie ein Bügeleisen […] Du hattest Glück, dass es hier einen guten Doktor gibt. Er hat dir sein letztes Penicillin gegeben. Er hat jeden Tag nach dir gesehen, zehn Tage lang.“ (S. 52/53)
Fatima hat Azmera sofort ins Herz geschlossen, doch als es ihr wieder besser geht, will sie dennoch weiterfahren, um schnellstmöglich nach Europa zu kommen und die verlorene Zeit aufzuholen. Fatima kennt Tayeb, einen Fahrer, der Azmera mit einigen anderen Flüchtlingen an die ägyptische Grenze bringen kann. Also verabschiedet sich Azmera von Fatima und steigt wie bei dem ersten Stück ihrer Reise in das Auto ein, das sie ein Stück näher an Europa bringen soll.
„Tayeb öffnet die hintere Wagentür. Mit einer Taschenlampe leuchtet er ins Innere, wo schon andere Leute sitzen, Männer auf der rechten und eine alte und eine jüngere Frau auf der linken Bank.“ (S. 71)
Gemeinsam mit dieser Familie, die auch aus Eritrea stammt, fährt Azmera weiter. Bald treffen sie jedoch auf Checkpoints (ein Checkpoint ist eine Stelle an der Grenze, an der Polizeikontrollen durchgeführt werden) und von Azmera und den anderen wird Geld verlangt. Anschließend darf das Auto weiterfahren. Auf der weiteren Strecke erfährt Azmera aber, dass der Bus nach Lybien nach el-Auenat und nicht nach Ägypten, wo Azmera eigentlich hinwollte, fährt.
„ ‚Was wollen wir in Ägypten?‘, erwidert die Schwiegertochter patzig, ‚wir sind in Lybien.‘ In Lybien!, denkt Azmera entsetzt. Ihr Puls rast […] Niemand beachtet sie. ‚Ich bin davon ausgegangen, dass wir nach Wadi Halfa fahren, nach Ägypten!‘ ‚Weißt du […] wir sind fünf Personen und du nur eine. Wie kommst du auf die Idee, dass fünf Personen in die Richtung fahren, in die nur eine Person will?‘ “ (S. 93/94)
Azmera kann das aber nicht verhindern und in Lybien angekommen weiß sie nicht, was sie tun soll, und kommt so in einem Flüchtlingslager unter.
„Seit Tagen sitzt Azmera nun schon in einer Wohnung fest, in der es nichts gibt außer Plastikmatten auf dem Boden, Plastikflaschen, die überall herumliegen, einer zerschlissenen Gardine vor dem vergitterten Fenster und Müll, jede Menge Müll. Niemand fühlt sich hier für irgendetwas verantwortlich, denn keiner will hier bleiben.“ (S. 98)
Dort verbringt sie einige Zeit und weiß nicht so recht weiter. Der „Campleiter“ John wird jedoch auf sie aufmerksam und organisiert einen „gespielten“ Bruder für sie, der ihr wichtige Papiere verschaffen soll und sie bei ihrer weiteren Reise nach Europa helfen kann.
„ ‚Ihr werdet zusammen durch Lybien reisen. Die Papiere sind gut. Er wird auf dich aufpassen. Ihr werdet immer zusammenbleiben, hörst du?‘ “ (S. 106)
Als ihr neuer Begleiter Petros gemeinsam mit seinem Freund, einem Affen namens Abu, ankommt, brechen die drei sofort auf. Sie wollen schnell bis zum Golf von Sirte (der Golf von Sirte ist eine Bucht des Mittelmeers an der Küste von Lybien) kommen und von dort aus mit dem Boot nach Europa fahren.
Wird Azmera mit der Hilfe von Petros jemals ihr Ziel erreichen, nach Europa zu kommen und zu studieren…?
Im Laufe des Buches wird hauptsächlich die Reise von Azmera nach Europa beschrieben, es wird aber auch auf ihre Rolle als Frau eingegangen, womit es noch mal schwieriger wird, alleine zu reisen. Auf der Fahrt wird Azmera sogar fast vergewaltigt und hat generell Probleme, sich durchzusetzen.
„Die Männer denken, dass sie etwas Besseres sind und dass wir Frauen nur existieren, um ihnen zu dienen.“ (S. 36)
Auch ihre kleine Liebe mit Petros wird im Buch beschrieben.
Mir gefällt der Roman nicht sehr gut.
Die Geschichte von Azmera an sich finde ich spannend, die Umsetzung der Autorin aber nicht sehr gut.
Vieles wird meiner Meinung nach viel zu genau beschrieben (das Buch ist ja auch relativ dick). Besonders am Anfang geht es eigentlich nur darum, wie Azmera auf die Toilette muss, sich aber nicht traut, dies zu sagen. Natürlich wurde sie dadurch auch krank, man hätte aber etwas weniger darauf eingehen müssen.
Auch fand ich das Buch etwas dramatisch geschrieben, auch wenn Azmeras Geschichte ja wirklich sehr tragisch ist.
Was mir beim Lesen etwas gefehlt hat, ist die Vorstellung, wie Azmera reist. Ich hätte sehr gerne eine Karte gesehen, die zeigt, wie Azmera nach Europa gereist ist. Ohne ging es aber auch.
Zuerst dachte ich, Brigitte Blobel hätte den Roman sehr lehrreich geschrieben, denn fast alle anderen Bücher von ihr scheinen anhand des Titels sehr aufklärend und bildend (z.B. „Jeansgröße 0. Kein Gramm zu viel“, „Die Clique. Wenn die Gruppe Druck macht“, „Herzsprung. Wenn Liebe missbraucht wird“ oder „Shoppingfalle“). Das fand ich bei diesem Buch aber nicht so, was mir sehr gut gefallen hat.
Generell fand ich es schön, mehr von dem Leben der Flüchtlinge zu erfahren. Ich konnte mich auch gut in Azmera hineinversetzen.
Insgesamt hat mir der Roman „Kein Weg zu weit – Ein Mädchen zwischen Flucht und Hoffnung“ zwar nicht gefallen, ich könnte mir aber vorstellen, dass es den meisten anders gehen würde.