
Der Roman „Der Junge auf dem Berg“ von John Boyne ist 2017 im Fischer Verlag erschienen. Er hat 302 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.
Das Buch handelt von einem Jungen namens Pierrot Weber, der 1930 in Paris bei seinen Eltern aufwächst. Seine Mutter ist Französin, der Vater Deutscher. Pierrots Vater war im Ersten Weltkrieg und leidet unter schlimmen Erinnerungen. Er zerbricht daran und verlässt seine Familie.
„Émilie, Pierrots Mutter, sprach nur noch selten über seinen Vater, obwohl der Junge noch ständig an ihn dachte. Wilhelm Weber hatte bis vor drei Jahren bei seiner Frau und seinem Sohn gelebt, Paris jedoch im Sommer 1933 verlassen, wenige Monate nach dem vierten Geburtstag seines Sohnes.“ (S. 12)
Das geht soweit gut, doch schon bald erkrankt Pierrots Mutter und stirbt.
„Eine Woche lang besuchte er Maman jeden Tag, und jeden Tag schien sie mehr nach Luft zu ringen. Er war als Einziger bei ihr an dem Sonntagnachmittag, als ihr Atem irgendwann ganz aufhörte und ihre Finger sich aus seinen eigenen lösten; dann glitt ihr Kopf auf dem Kissen zur Seite, ihre Augen weit geöffnet, und er wusste, dass sie von ihm gegangen war.“ (S. 29)
Glücklicherweise nimmt die Mutter seines taubstummen und jüdischen Freunds Anshel Pierrot auf, was für beide sehr gut ist, denn die zwei sind schon lange beste Freunde und verstehen sich sehr gut, auch mit Handzeichen.
„Pierrot und Anshel waren im Abstand von wenigen Wochen zur Welt gekommen und wuchsen praktisch wie Brüder auf, denn wenn die eine Mutter ein Nickerchen brauchte, kümmerte sich die andere um beide Babys […] Anshel war von Geburt an taub, deshalb hatten die Jungen schon früh eine Gebärdensprache erfunden, in der sie sich mühelos verständigen und mit flinken Fingern alles ausdrücken konnten, was sie sich zu sagen hatten.“ (S. 10)
Pierrot kann aber nicht lange bleiben, da das Geld nicht für alle reicht, und kommt stattdessen in ein Waisenhaus der Schwestern Simone und Adèle Durand in Orleans.
„ Pierrot lernte die Durand-Schwestern einen knappen Monat nach dem Tod seiner Mutter kennen. In seinen besten Kleidern und mit einem brandneuen Schal […] stieg er an der Gare d ‘Austerlitz in einen Zug […] Pierrot spürte bei jedem Schritt, wie ihm das Herz ein wenig schwerer wurde.“ (S. 33)
Dort bleibt Pierrot einige Zeit lang, doch zum Glück erfahren die Durand-Schwestern, dass er doch noch eine Verwandte hat: die Schwester seines Vaters, Tante Beatrix. Sie erklärt sich bereit, Pierrot aufzunehmen. Also fährt Pierrot nach Deutschland, denn Beatrix arbeitet dort als Hauswirtschafterin. Doch sie arbeitet nicht irgendwo: Sondern im Berghof, der Sommerresidenz Adolf Hitlers am Obersalzberg.
„Das Haus bestand fast komplett aus Holz, und obwohl es sehr hübsch und gemütlich war, wirkten die Fotografien an den Wänden ein wenig fehl am Platz: lauter Gruppen von Uniformierten in strammer Haltung. Manche sahen direkt in die Kameralinse, als wollten sie ihr so viel Angst einjagen, dass sie zersprang […] Er fragte sich, ob er, wenn er erwachsen war, genauso furchterregend wirken würde wie sie […]“ (S. 94)
Dort lernt auch Pierrot den Hausherrn kennen, und lernt ihn lieben. Nach und nach verhält sich Pierrot sogar immer mehr wie Adolf Hitler selbst.
„Es klopfte und Inge steckte den Kopf durch die Tür. ‚Entschuldigung Sie, Fräulein, aber…‘ Pierrot fuhr herum, schnipste ihr scharf mit den Fingern zu […] und deutete auf den Flur. ‚Raus hier. Meine Tante und ich haben etwas zu besprechen.‘ […] Er war selbst ein wenig überrascht, dass er so herrisch reagiert hatte, mochte jedoch das Gefühl von Wichtigkeit, das es ihm verlieh.“ (S. 178)
Pierrot denkt immer mehr wie ein Nationalsozialist und seine Tante Beatrix macht sich große Sorgen um ihn.
„ ‚Er ist bereits ein völlig anderer Junge als damals, als er hier ankam […] Er benimmt sich von Tag zu Tag mehr wie sie. Er fängt sogar schon an, die Dienstmädchen herumzukommandieren. Vor ein paar Tagen habe ich ihn ermahnt, da sagte er mir, ich solle meine Beschwerden an den Führer richten oder den Mund halten.“ (S. 203)
Wie wird es wohl mit Pierrot weiter gehen…?
Im Laufe des Buches wird ein Großteil von Pierrots Leben erzählt. Seine Kindheit in Paris, der Tod seiner Mutter, die Zeit im Waisenhaus, die Ankunft im Berghof und seine Wandlung zum Nationalsozialisten.
Mir gefällt das Buch sehr gut.
Ich finde den Roman sehr interessant, denn während dem Lesen erfährt man viel über Adolf Hitlers Leben und den Berghof am Obersalzberg, denn dies war wirklich seine Residenz. Auch von seiner Frau Eva und seinem Schäferhund erfährt man etwas. In anderen Büchern über den 2. Weltkrieg ist dies meistens nicht so.
Das trifft auch auf Pierrot zu. Ich habe bis jetzt immer nur Bücher über Juden im Krieg gelesen, nie über einen Deutschen wie Pierrot selbst, für den dies ja auch keine einfache Zeit war.
Insgesamt erfährt man sehr viel Wahres, was mir sehr gut gefällt. Manche Punkte sind zwar nicht ganz glaubwürdig, das hat mich aber nicht gestört.
Ich würde den Roman „Der Junge auf dem Berg“ also für alle weiterempfehlen, die Bücher über den 2. Weltkrieg lesen.
Ein Kommentar zu “John Boyne: Der Junge auf dem Berg”