Dirk Pope: Abgefahren

Der Roman „Abgefahren“ von Dirk Pope ist 2018 im Hanser Verlag erschienen und wurde 2019 für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Er hat 240 Seiten und eignet sich für Kinder ab 14 Jahren.

Das Buch handelt von einem siebzehnjährigen Jungen namens Viorel, der gemeinsam mit seiner Mutter in Essen lebt. Eines Tages aber findet Viorel die Mutter tot am Esstisch sitzen.

„Reglos saß die Mutter am Küchentisch. In einer Hand das Brotmesser. Als hätte sie sich wehren wollen, im Kampf gegen den Sensenmann. So ungleich wie aussichtslos. Brotmesser gegen Sense. Ihrer Körperhaltung nach ging alles sehr schnell, und es kann nicht lange gedauert haben, bis sie verstorben war.“ (S. 24)

Viorels Trauer hält sich in Grenzen, erst am nächsten Tag versteht er, was wirklich passiert ist und er weiß nicht, wie es jetzt weitergehen soll.

„Das Entsetzen kam später. Draußen war es längst hell. Erst da dämmerte ihm, dass es vorbei war. Dass er alleine war. Ohne seine Mutter, die Einzige, die sich gekümmert hatte. Um ihn. Um sie beide, in dieser immer kleiner werdenden Wohnung.“ (S. 24)

Viorel beschließt sofort, dass er keine Hilfe braucht. Stattdessen möchte er seine Mutter alleine nach Rumänien, in ihre alte Heimat, zu bringen, denn Viorel ist eingefallen, dass sie sich gewünscht hat, am Schwarzen Meer begraben zu werden. Also wickelt er den toten Körper in einen alten Schlafsack und legt das Bündel in den Kofferraum seines Autos.

„Bloß keinen Arzt einschalten. Oder die Polizei. Stattdessen beschloss er, ihre Leiche in diesen Schlafsack zu stecken […] Anschließend fünf Stockwerke tiefer, es war ja noch fast dunkel. Und in den Kofferraum ihres Kleinwagens.“ (S. 25)

So macht sich Viorel auf den Weg in ein unbekanntes Land, in dem er noch nie war und das er nicht kennt. Dabei versucht er, möglichst unauffällig zu bleiben, denn er möchte nicht, dass jemand die Leiche entdeckt und ihn aufhält.

Viorel setzt seinen Plan jedoch nicht ganz in die Tat um, denn kurz vor der nächsten Ausfahrt steht ein Anhalter am Straßenrand und Viorel bietet ihm an, ihn ein Stück mitzunehmen.

„Kurz vor der Ausfahrt ein Anhalter. Ein Anhalter, der aufhält […] Trotz Dauerregens besitzt er weder einen Schirm noch einen Hut oder eine Kapuze, offensichtlich. Über der Schulter trägt der Fremde einen übergroßen, ebenfalls schwarzen Seesack. Bis auf die bleiche Haut ist alles schwarz an ihm. Düster. Das Wetter scheint ihm wenig auszumachen. Fast wirkt er so, als würde er vom Regen überhaupt nichts mitbekommen […] Viorel öffnet von innen die Tür. ‚Hallo…kann…kann ich Sie mitnehmen?‘ ‚Das wäre überaus reizend.‘“ (S. 13)

Viorel fährt nun also zusammen mit dem Anhalter, den er aber etwas merkwürdig findet, denn er erzählt Viorel viel über die Vampire Transsylvaniens. Der Anhalter ist jedoch nie an sein Ziel gekommen, denn durch einen Unfall stirbt er plötzlich vor Viorels Augen.

Viorel hat gerade angehalten, um den Fahrgast aussteigen zu lassen, jedoch klemmt der Hintersitz und da dahinter noch der Seesack liegt, muss Viorel aussteigen und dem Anhalter helfen. Dabei stößt Viorel kurz mit seiner Hüfte gegen den Anhalter, sodass dieser auf die Straße stolpert und von einem Lastwagen mitgerissen wird.

„Zwei Scheinwerferlichter blitzen auf. Kurzes Hupen. Doch es ist bereits zu spät. Der viel zu dicht vorbeirasende Lkw erfasst den Seesack des Anhalters in voller Fahrt. Den Seesack samt dessen Besitzer. 70 Stundenkilometer. 90. Oder mehr. Reglos steht Viorel daneben, schockiert. Der Anhalter wird mitgeschleift, kann sich nicht befreien […] Dann der Bauzaun. Die Baustelle ist nicht sonderlich gut gesichert, und inmitten der Absperrung ragt eine meterlange Eisenstange in die Nacht […] Ohne abzubremsen, rast der Schwertransporter weiter, mit unverminderter Geschwindigkeit […] Die Eisenstange bohrt sich dem Anhalter durch die Brust und tritt auf der anderen Körperseite wieder aus.“ (S. 44)

Viorel hat nun zwei Leichen und da er nicht weiß, was er sonst tun soll, legt er die Leiche des Anhalters auf den Rücksitz. Viorel traut sich nämlich nicht, den toten Körper in ein Gebüsch zu werfen oder einfach zu vernichten.

„Der Leichnam darf auf keinen Fall gefunden werden. Er muss ihn fortschaffen, mit dem Auto […] Vor Entsetzen zitternd, packt er den Körper an beiden Armen und zerrt ihn zurück zum Corsa.“ (S. 46)

Er fährt also nun mit zwei Leichen im Gepäck weiter, kommt aber nicht weit, denn schon bald wird er nach einer kleinen Verfolgungsjagd auf der Straße überfallen. Viorel kann sich retten, doch als er zu seinem Auto zurückkehrt, das die Räuber stehengelassen haben, fehlt die Leiche des Anhalters.

„Die Fahrertür steht auf, sperrangelweit […] Viorel schleicht einmal um den Wagen. Besser zweimal. Nichts. Keine Schäden. Zumindest nicht auf den ersten Blick, auf den zweiten auch nicht […] Er wirft noch einmal einen Blick auf den Rücksitz. Leer. Nichts fehlt. Nichts, außer die Leiche des Anhalters und dessen Seesack.“ (S.82/83)

Trotzdem setzt Viorel seine Reise fort und lässt sich durch den Überfall nicht aufhalten, denn er möchte den Wunsch seiner Mutter unbedingt verwirklichen. Wird er das auch schaffen?

Im Laufe des Buches wird Viorels weitere Reise und seine Versuche, die Mutter zu begraben, beschrieben.

Mir gefällt das Buch nicht sehr gut. Die ganze Handlung ist sehr unrealistisch und ich weiß noch immer nicht, was ich von der ganzen Geschichte halten soll. Viorels Erlebnisse sind sehr seltsam und ich habe nie ganz in das Buch „reingefunden“.

Außerdem finde ich den Roman sehr unheimlich. Die zwei Leichen, der Unfall des Anhalters und die Geschichten von Vampiren sind für mich etwas zu genau beschrieben.

Zudem ist Viorels Reise sehr detailreich beschrieben und ich finde, manche Informationen hätte man auch einfach weglassen können.

Dafür konnte man sich Viorels Weg sehr gut vorstellen. Das liegt auch daran, dass weiter hinten im Buch eine genaue Karte abgebildet ist, auf der die ganze Strecke genau eingezeichnet ist. Außerdem stehen am Anfang eines neuen Kapitels die Anzahl der Kilometer, die Viorel bis zu dieser Stelle bereits zurückgelegt hat. Das hat die ganze Geschichte etwas leichter zum Lesen gemacht.

Insgesamt gefällt mir der Roman aber trotzdem nicht und ich würde ihn nicht ein zweites Mal lesen.

Wer gerne etwas Ungewöhnliches und doch Spannendes lesen möchte, ist bei „Abgefahren“ aber genau richtig.

Hinterlasse einen Kommentar