Sarah Crossan: Die Sprache des Wassers

Der Roman „Die Sprache des Wassers“ von Sarah Crossan ist 2013 in deutscher Übersetzung im mixtvision Verlag erschienen und wurde 2014 für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Er hat 228 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.

Das Buch handelt von einem zwölfjährigen Mädchen namens Kasienka, die gemeinsam mit ihrer Mutter in Danzig in Polen lebte. Die beiden ziehen jedoch nach Coventry in England, um Kasienkas Vater zu finden, der Kasienka und ihre Mutter Ola verlassen hat.

„An dem Tag, an dem Tata abgehauen ist,                                                                             hat Mama mir den Zettel gezeigt,                                                                                          den er zurückgelassen hat.                                                                                                   Ola, ich gehe nach England -                                                                                                    ist alles, was er geschrieben hat.                                                                                                         […]                                                                                                                                         Eines Tages kam ein Scheck von Tata -                                                                                              in einem Umschlag                                                                                                                            mit einem deutlich lesbaren Poststempel.

Da wusste Mama plötzlich, was sie tun musste.“ (S. 30/31/32)

Kasienka und ihre Mutter ziehen in eine kleine Wohnung, die nur ein einziges Zimmer hat. Hier wollen die zwei bleiben, bis sie Kasienkas Vater gefunden haben.

„Ein Zimmer im vierten Stock                                                                                             eines heruntergekommenen Hauses,                                                                                               das mich an den Geschichtsunterricht erinnert,                                                                                                     an Schwarz-Weiß Fotos                                                                                                                                                                                                                                                 von                                                                                                                                                  ausgebombten                                                                                                                 Dörfern.                                                                                                                                                            […]                                                                                                                                                    ‚Es ist nur ein Zimmer‘, sage ich,                                                                                                   obwohl ich eigentlich meine:                                                                                                                                                                                   Hier können wir nicht leben.“ (S. 12)

Trotzdem hat Kasienka einen relativ normalen Alltag und geht sogar auf eine englische Schule in die fünfte Klasse. Kasienka gefällt es aber gar nicht und sie fühlt sich ungerecht behandelt, da sie in die fünfte Klasse kommt, aber schon älter ist.

„Ich bin zwölf.                                                                                                                             Fast dreizehn.                                                                                                                        […]                                                                                                                                           Aber ich gehe in eine Klasse                                                                                                                                                                                                    mit lauter Elfjährigen.                                                                                                                                                                       […]                                                                                                                                                                                                          Von Zahlen verstehe ich mehr                                                                                                                                            als sonst jemand in meinem Jahrgang.                                                                                                                                                                           […]                                                                                                                                                  Im Unterricht muss ich mich                                                                                                                                     hinter meinen Schulbüchern verstecken,                                                                                                                                                             damit die Lehrer                                                                                                                                                 mir nicht bis zu den Mandeln schauen können,                                                                                                                                                      wenn ich vor Langeweile gähne.                                                                                                                                                                                                  Ich kann nicht gut lesen,                                                                                                                                                                                                          auf Englisch -                                                                                                                                                                         das ist alles.                                                                                                                    Deswegen stecken sie mich zu den Elfjährigen.“ (S. 16/17)

Auch sonst gefällt es Kasienka nicht, denn sie wird von ihren Mitschülern oft gemobbt, da sie Ausländerin ist.

„Die braunen Kinder                                                                                                                spielen mit den weißen Kindern.                                                                                                         Die schwarzen Kinder                                                                                                                                  spielen mit den braunen Kindern.                                                                                                         […]                                                                                                                                                               Mit mir will keiner spielen.                                                                                                              Denn ich bin zu weiß.                                                                                                       Keiner kann zu weiß leiden,                                                                                Osteuropaweiß,                                                                                                             Polnisch Winterweiß,                                                                                                    Vampirweiß.“ (S. 20)

Und auch zu Hause wird Kasienka nicht gerade fröhlicher. Denn ihre Mutter ist wegen des Verschwindens des Vaters sehr niedergeschlagen und hat keine Zeit, Kasienka zu trösten. Sogar das Singen hat sie aufgegeben, denn als die beiden noch in Danzig lebten, machte Kasienkas Mutter oft Musik.

„Als Mama die Noten                                                                                                                wegpacken will,                                                                                                                           sage ich:                                                                                                                                       ‚Nein, Mama, sing […]                                                                                                               Für mich.‘                                                                                                                                         Ich setze mich auf die                                                                                                                       Küchenarbeitsplatte,                                                                                                               höre zu, wie Mama                                                                                                                        die Rosina gibt,                                                                                                                                                      und erinnere sie, wie sie früher war,                                                                                          selbstsicher und kraftvoll,                                                                                                    mit Lungen,                                                                                                                                   die Glas zerspringen lassen konnten.                                                                                                      Bevor Tata gegangen ist.                                                                                                         Bevor wir nach Coventry gekommen sind.“ (S. 28)

Bald aber entdeckt Kasienka das Schwimmen für sich und geht nun regelmäßig ins Schwimmbad. Während des Schwimmens fühlt sie sich stark und das Wasser erinnert sie zudem an ihren Vater, denn dieser hatte ihr das Schwimmen beigebracht.

„Tata hat mich schwimmen gelehrt.                                                                                          Hat mich gelehrt, stark zu sein.                                                                                                             […]                                                                                                                                                      Ich will nie                                                                                                                               nur im Becken herumplanschen                                                                                                            oder mich treiben lassen.                                                                                                                                  Ich will hart arbeiten.                                                                                                               Bahnen ziehen.                                                                                                                     Auf und                                                                                                                                                ab,                                                                                                                                                                                   auf und                                                                                                                                       ab.                                                                                                                                          Die Kraft meines Körpers,                                                                                                                                    fließend, flüssig,                                                                                                                       lässt mich durchs Wasser schnellen                                                                                                                                  wie ein Kiesel                                                                                                                                     aus einer Zwille.“ (S. 34/35)

Im Schwimmbad lernt Kasienka William kennen. William ist ein Junge aus der siebten Klasse und die beiden verlieben sich ineinander.

„Ich erwarte nicht, dass du mir ein Gedicht schreibst,                                                             aber es wäre schön, wenn du es tätest.                                                                                   Und wenn du mir eine Rose schenken würdest,                                                                                                  wäre das auch okay,                                                                                                                      aber ich bestehe nicht unbedingt darauf,                                                                                              dass du mir Blumen kaufst.                                                                                                                    […]                                                                                                                                                   Und ich würde dich auch nicht davon abhalten,                                                                                                                                           romantisch zu sein,                                                                                                                         wenn es das wäre, was du möchtest.“ (S. 124)

Sonst hat Kasienka keine Freunde, außer Kanoro. Kanoro ist der Nachbar von Kasienka und ihrer Mutter und die drei freunden sich bald an. Kanoro hilft Kasienkas Mutter sehr, außerdem arbeiten beide im Krankenhaus als Putzhilfe.

„Kanoro wohnt auch in unserem Haus.                                                                                   Im Zimmer nebenan.                                                                                                                                 Wir teilen das Bad mit ihm.                                                                                                 Aber er ist kein schlechter Mensch:                                                                                                                                                                Er ist wunderschön.                                                                                                                                                                                   Er ist schwärzer als irgendwer, den ich kenne.                                                                                                                                                      Haut wie                                                                                                                                       frische Tinte.                                                                                                                             Ich habe Angst vor ihm,                                                                                                                       bis er anfängt zu lächeln:                                                                                                        Rosa,                                                                                                                                          nur Zahnfleisch,                                                                                                                                                                                                            ein Lächeln,                                                                                                                                                                                                                                                            das ein Funkeln in seine Augen zaubert.“ (S. 46)

Zudem hilft Kanoro Kasienka und ihrer Mutter, ihren Vater zu finden und die drei lernen sich immer besser kennen.

Wird Kasienka ihren Vater finden…?

Im Laufe des Buches wird Kasienkas weiteres Leben und ihre Versuche, ihren Vater ausfindig zu machen, beschrieben. Es wird aber auch von Kasienkas Beziehung zu ihrer Klasse, dem Mobbing und ihren Gefühlen erzählt. Generell geht der Roman viel um Gefühle und Emotionen und man bekommt auch einen kleinen Einblick in das Leben von Kasienkas Mutter und ihren Sorgen und Problemen.

Mir gefällt das Buch gut. Besonders interessant finde ich den Schreibstil der Autorin. Der ganze Roman ist nämlich in Versform geschrieben, so wie man es schon in den oberen Zitaten lesen konnte. Das hat zwar den Nachteil, dass das Buch schwerer zu lesen ist und man sich mehr konzentrieren muss, mit dieser Schreibweise erfährt man aber trotzdem viel über Kasienka und man kann somit vieles besser ausdrücken.

Der Roman hört sich zwar lange an, ich habe das Buch aber an einem Abend durchgelesen und fand es schade, dass die Geschichte so schnell vorbei ist.

Trotzdem gefällt mir „Die Sprache des Wassers“ ziemlich gut, es werden viele verschiedene Themen angesprochen und auch wenn der Roman in Versform geschrieben ist, bleibt die Handlung trotzdem spannend. Somit würde ich das Buch allen empfehlen, die mal Lust auf etwas Neues haben.

Ein Kommentar zu “Sarah Crossan: Die Sprache des Wassers

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