Alison McGhee: Wie man eine Raumkapsel verlässt

Der Roman „Wie man eine Raumkapsel verlässt“ von Alison McGhee ist 2021 in deutscher Übersetzung im dtv-Verlag erschienen. Er hat 208 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.

Das Buch handelt von einem sechzehnjährigen Jungen namens Will, der zusammen mit seiner Mutter in Los Angeles wohnt. Sein Vater hat sich selbst umgebracht, indem er von einer Brücke gesprungen ist.

Will ist aber nicht oft zu Hause, meist arbeitet er im „Dollar Only“, einem Laden mit allerlei günstigen Dingen.

„Ich drücke die Tür auf und sauge erst einmal eine große Portion Dollar-Only-Luft ein. Mit geschlossenen Augen versuche ich vorherzusagen, welche Lieferung wir wohl heute bekommen haben. Wäschebleiche? Aromatisierten Lipgloss? Getränkepulver mit Traubengeschmack? Raumspray?“ (S. 69)

Mit seinem Chef, den Will „Major Tom“ nennt, versteht er sich gut. Am liebsten unterhalten sich die beiden über ein Lied von David Bowie namens „Space Oddity“. Das erinnert Will an seinen Vater, denn David Bowie war sein Lieblingssänger.

Aber am allerliebsten geht Will. Er geht vorbei, an dem kleinen Jungen, der die fünf Schmetterlinge beobachtet, die um genau zwanzig nach fünf an seiner Garagenwand landen, vorbei an dem verrückten Hund, vorbei an dem obdachlosen Superman…

„Lass deine Füße den Weg finden. Du merkst es, wenn das geschieht. Dann lass den Tag aus dir heraussickern. Lass alles, was dir in den Kopf kommt, frei darin herumschweben.“ (S. 15)

Will läuft, seit sein Vater gestorben ist. Ihm hilft das Laufen, den Tod zu verarbeiten und seinen Kopf freizubekommen.

„Wie übersteht man das, wenn einem alles über den Kopf wächst? Frag mich, ich sag´s dir: Laufend […] So hab ich´s gemacht. Nachdem das mit meinem Dad war […] Ich war dreizehn, als ich zu laufen anfing. Jetzt bin ich sechzehn und laufe noch immer.“ (S. 123)

Auch mit Maisbrot möchte Will seine Erinnerungen an den Vater verarbeiten. Dieser backte nämlich leidenschaftlich Maisbrot und Will möchte das Brot genauso gut hinbekommen wie sein Vater. Oft steht er noch nach der Arbeit in der Küche, doch er ist mit seinem Werk nie ganz zufrieden.

„Vielleicht experimentiere ich heute Abend mal wieder damit. Ich versuche nämlich, sein Rezept zu rekonstruieren. Damit das Brot genauso schmeckt wie bei ihm.“ (S. 9)

Doch Will hat noch ein anderes Problem: Seine alte Freundin Playa wurde auf einem Schulfest von drei anderen Jungen vergewaltigt und Will traut sich nicht so recht, sie wieder anzusprechen, da er Angst hat, sie könnte ihm böse sein, weil er nicht länger bei der Feier geblieben ist und Playa so nicht helfen konnte.

„Ich war im selben Raum wie Playa. Wir atmeten dieselbe Luft […] Dann bin ich gegangen, Playa ist geblieben […] Hätte ich nicht etwas spüren müssen? Irgendein Zittern des Universums? Hätte ich es nicht wissen müssen?“ (S. 95)

Im Laufe des Buches wird Wills Leben weiter beschrieben, seine abendlichen „Gehrunden“, das richtige Backen des Maisbrotes und der Versuch, wieder mit Playa zu reden.

Der Roman ist aus der Sicht von Will in der Ich-Perspektive geschrieben.

Mir gefällt der Roman „Wie man eine Raumkapsel verlässt“ sehr gut. Am Anfang hatte ich einige Probleme „in das Buch reinzukommen“. Die Handlung wechselt oft und da die Kapitel sehr kurz sind, wusste ich anfangs nie richtig, was gerade passiert. Nach einem Viertel des Romans habe ich mich aber an die Schreibweise gewöhnt und richtig in die Geschichte reingefunden.

Etwas verwirrend ist, dass man Wills Probleme erst langsam herausfindet und am Anfang des Buches noch gar nichts kapiert, wenn es um Playa oder Wills Vater geht. Aber man weiß trotzdem bald mehr (ich habe das Buch trotzdem zweimal durchgelesen).

Dennoch gefällt mir das Buch richtig gut und am Ende mochte ich die Schreibweise sehr gerne.

Auch das Design des Buches ist ungewöhnlich. Auf dem linken Blatt der Doppelseite wird immer in chinesischen Schriftzeichen von eins bis hundert gezählt, rechts sieht man den Text, also ein Kapitel. Das Besondere ist, dass die Kapitel immer aus hundert Wörtern bestehen. Die jeweils hundert Wörter haben gut zum Stil der Geschichte gepasst.

Obwohl das Buch dadurch sehr kurz ist und man es gut an einem Abend lesen kann, muss man sich während des Lesens sehr konzentrieren, wenn man einmal nicht aufpasst, kann es schon sein, dass man einen Teil der Handlung nicht richtig versteht.

Wer also gerne nachdenkt und sich mit einem Buch vielleicht mal etwas intensiver beschäftigt, dem würde ich „Wie man eine Raumkapsel verlässt“ auf jeden Fall empfehlen!

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