John Corey Whaley: Hochgradig unlogisches Verhalten

Der Roman „Hochgradig unlogisches Verhalten“ von John Corey Whaley ist 2017 in deutscher Übersetzung im Hanser Verlag erschienen. Er hat 240 Seiten und eignet sich für Kinder ab 13 Jahren.

Das Buch handelt von einem sechzehnjährigen Jungen namens Solomon. Er wohnt mit seinen Eltern in Upland, einem Vorort von Los Angeles, das Besondere ist aber, dass er regelmäßig an Panikattacken leidet und daher seit drei Jahren nicht auf der Straße war, sondern die ganze Zeit zu Hause sitzt, liest oder einen Film anschaut.

„Solomon musste sowieso nie aus dem Haus gehen. Er hatte zu essen. Er hatte zu trinken. Er konnte von seinem Fenster die Berge sehen […] So kam es, dass er an seinem sechzehnten Geburtstag schon drei Jahre, zwei Monate und einen Tag nicht mehr vor der Tür gewesen war. Er hatte blasse Haut und war chronisch barfuß – aber er kam damit klar. Anders als mit so ziemlich allem anderen.“ (S.9)

Davor war Solomon sogar regelmäßig in der Schule, irgendwann hielt er es aber nicht mehr aus und setzte sich in einen Brunnen, der auf dem Schulgelände steht.

„Er hatte wirklich, so lange es nur irgend ging, versucht, es in der Welt da draußen auszuhalten. Bis er eines Tages einfach nicht mehr konnte, sich bis auf die Unterhose auszog und im Hof der Junior-Highschool in den Brunnen setzte. Dort, vor den Augen seiner Mitschüler und der Lehrer, lehnte er sich im blendenden Licht der Morgensonne langsam immer weiter nach hinten, bis sein ganzer Körper untergetaucht war.“ (S.9/10)

Seitdem hat Solomon nie wieder das Haus verlassen, noch daran gedacht, er selbst bereut seine Entscheidung aber nicht.

„Nach dem Brunnen war ihm klar, was er zu tun hatte. Weg mit allem, was Panik auslöst, und die Panikattacken haben ein Ende. Die nächsten drei Jahre wunderte er sich, warum die anderen das nicht verstanden. Er wollte einfach nur ohne Todesangst leben.“ (S.10)

Eines Tages kommt jedoch Solomons Mutter zu ihm, um ihm einen Brief von einer Patientin zu übergeben. Sie, Valerie Reed, ist nämlich Zahnärztin und hat den Brief für Solomon in ihrer Praxis bekommen. In diesem Brief fragt eine frühere Mitschülerin von Solomon namens Lisa, ob sie sich nicht mal treffen sollten, sie würde ihn gerne besser kennenlernen und seine Freundin werden.

Du kennst mich nicht und hast wahrscheinlich noch nie von mir gehört, aber ich heiße Lisa Praytor und ich fände es schön, wenn wir Freunde werden könnten.“ (S.40)

Solomon ist davon zuerst aber nicht sehr begeistert.

„ ‚Ich brauche keine Freundin‘, sagte er laut zu sich selbst.“ (S.41)

Die Dinge wenden sich aber ganz anders, denn am Abend kommt seine Großmutter bei ihnen vorbei, hört von Lisa und findet ihre Idee, sich mit Solomon zu treffen, großartig.

„ ‚Lass das arme Mädchen dich einen Nachmittag besuchen und finde wenigstens raus, ob du sie magst.‘ “ (S.47)

Also treffen sich die beiden sogar noch diese Woche, Solomon ist aber noch sehr ängstlich und möchte sich nicht unbedingt noch mal mit Lisa treffen.

„Er war froh, dass sie nicht noch länger blieb […] Von all dem Reden und Sich-krampfhaft-Überlegen, was er als Nächstes sagen oder fragen konnte, brummte ihm der Schädel.“ (S.61)

Trotzdem besucht Lisa ihn noch einmal und diesmal gefällt es Solomon viel besser. Deshalb spielen die beiden jetzt fast jeden Tag miteinander und Solomon freut sich immer schon auf Lisas Besuch.

„In dieser Woche kam Lisa ihn jeden Tag besuchen. Sie blieb zwei oder drei Stunden – gerade lange genug, um Spiele zu spielen oder einen Film zu schauen -, und als es auf das Wochenende zuging, wusste Solomon, dass er in der Regel gegen halb vier, vier Uhr nachmittags mit ihr rechnen konnte. Und er spürte, wie er von Mal zu Mal entspannter wurde.“ (S.98)

Solomon weiß aber nicht, was wirklich hinter Lisas Besuchen steckt…Sie möchte nämlich Psychologie studieren und um sich für die Woodlawn University, auf die Lisa gerne gehen will, zu bewerben, muss ein Aufsatz über das Thema „Meine persönliche Erfahrung mit psychischen Erkrankungen“ abgegeben werden. Lisa dachte sich also, dass Solomon dafür ein gutes Beispiel ist und möchte in ihrem Text über ihn schreiben.

„Lisa wusste genau, worüber sie schreiben würde. Als sie Valerie Reeds Anzeige in der Zeitung entdeckte, war es ihr schlagartig klar geworden. Sie musste Solomon finden, einen Draht zu ihm bekommen und ihn wieder gesund machen. Dann würde sie alles in ihrem College-Aufsatz verarbeiten und wäre auf dem besten Weg, bald zu den größten Psychologen des 21. Jahrhunderts zu zählen. Vielleicht würde man in Woodlawn eines Tages sogar ein Gebäude nach ihr benennen.“ (S.26)

Bald bemerkt Lisa aber auch, dass sie Solomon wirklich nett findet und es ihr nicht nur um den Aufsatz geht.

„ ‚Ich will ihm helfen. Es geht nicht mehr nur um das Stipendium.‘ “ (S.85)

Im Laufe der Geschichte werden Solomons Fortschritte, aber auch die Freundschaft zwischen ihm und Lisa beschrieben. Die beiden treffen sich so oft es geht und bald bringt Lisa sogar ihren Freund Clark mit, der Solomon genauso nett findet.

Mir gefällt das Buch sehr gut. Ich finde es interessant zu sehen, wie es Solomon ergeht und einen Blick in seinen Alltag zu bekommen, da seine Lage ja auch wirklich anderen Menschen passieren kann. Auch die Beschreibung seiner vielen Panikattacken finde ich informativ.

„ Er lehnte sich einen Moment an die Wand, versuchte, durch ruhiges Atmen die Panik zu verhindern. Es gelang ihm nicht. Heftig hyperventilierend stolperte er durch den Flur in sein Zimmer, verkroch sich unter der Bettdecke und ließ den Anfall über sich ergehen, am ganzen Körper zitternd und die Augen so fest zusammengepresst, dass sie schmerzten. Danach lag Solomon einfach nur da und hörte zu, wie sein Atem allmählich zur Ruhe kam. Manchmal ist das alles, was man tun kann: So lange durchhalten, bis die Welt um einen herum aufhört zu beben. Es hat schon seinen Grund, dass Panikattacken immer wieder für Herzinfarkte gehalten werden, und auch ein teil von Solomon befürchtete jedes Mal, dass sein Herz explodierte.“ (S.61)

Das Ende der Geschichte finde ich persönlich etwas dramatisch, denn Solomon erfährt dann, das Lisa ihn am Anfang nur für ihre Bewerbung bei der Woodlawn University besucht hat, außerdem gibt es noch einige Probleme mit der Beziehung zwischen Lisa und Clark und das alles zusammen ist dann zu tragisch.

Sonst gefällt mir der Roman „Hochgradig unlogisches Verhalten“ aber sehr gut und ich würde ihn allen weiterempfehlen.

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