
Der Roman „Ein Sommer in Sommerby“ von Kirsten Boie ist 2018 im Oetingerverlag erschienen. Er hat 320 Seiten und eignet sich für Kinder ab 10 Jahren.
Das Buch handelt von einem zwölfjährigen Mädchen namens Martha, die gemeinsam mit ihren Brüdern Mats und Mikkel in den Ferien die Nachricht von ihrem Vater bekommt, dass ihre Mutter einen Unfall in Amerika hatte.
„ ‚Mama hat in New York auf dem Weg zur Arbeit einen Unfall gehabt […] Ihre Bank hat mich vorhin angerufen. Sie liegt im Krankenhaus. Ich habe schon einen Flug für mich gebucht.‘ “ (S.9)
Martha und ihre Brüder können aber nicht mitkommen, weshalb ihr Vater schon eine andere Bleibe für die drei gefunden hat.
„ ‚Ihr müsst zu eurer Oma fahren! […] Mir fällt einfach so schnell nichts anderes ein! Ist das okay für euch, Martha, ist das okay?‘ “ (S.9)
Das einzige Problem dabei ist, das Marthas Familie nicht die beste Beziehung zu Oma Inge hat, doch Martha bleibt optimistisch.
„Vielleicht ist es sogar ganz nett, diese Oma wiederzusehen, von der Mama und Papa seit vielen Jahren nicht mehr sprechen. Und es ist ja sicher nicht für lange.“ (S.10)
Deshalb beschließen sie, dass Martha, Mats und Mikkel zu ihrer Oma fahren sollen, bis es ihrer Mutter wieder gut geht und sie zurück nach Hause kommen. Hinbringen wird sie Annika, eine gute Freundin der Familie.
„Annika ist Mamas beste Freundin. Sie hat mit Mama studiert und ist mit Mama und den Kindern in Urlaub gefahren, und manchmal, wenn Papa auf Geschäftsreise ist oder noch im Büro oder in seinem Arbeitszimmer […] sitzt sie abends mit Mama im Wohnzimmer […] und die beiden reden und reden.“ (S.11)
Annika kommt dann sehr schnell und organisiert alles.
„Dann haben sie Pizza gegessen, und Annika hat mit irgendwem telefoniert, der irgendwem sagen sollte, dass sie morgen nicht zur Arbeit kommen kann […] Alles hat sich normal angefühlt.“ (S.14)
Und nachdem die Koffer gepackt sind, fahren die vier mit dem Auto von Marthas Mutter nach Sommerby, dort wohnt die Oma.
„Martha hat Angst gehabt, dass sie vielleicht den Weg nicht finden, aber natürlich kennt das Navi sich aus. Es führt sie über Straßen, die kleiner und kleiner werden, und dann kommt endlich das Ortsschild.“ (S.15)
Als Martha mit ihren Geschwistern endlich ankommt, ist finden sie das Haus der Oma auch sehr schön.
„Niedrige weiß gestrichene Mauern, von Fachwerk gehalten und mit kleinen Fenstern unter einem bemoosten Reetdach […] Alles fühlt sich auf einmal unendlich einsam an, dabei gleiten doch neben ihnen immer noch die Segelboote vorbei, wenn sie genau hinhören, können sie sogar aus der kleinen Stadt das Lachen und Rufen der Feriengäste hören […]“ (S.19)
Der erste Eindruck der Oma ist jedoch nicht sehr überzeugend und Mats rennt vor lauter Angst weg, da Inge, als sie aus dem Haus kommt, ein Luftgewehr in der Hand hat.
„Und dann kommt die Oma hinter einem Holunderstrauch hervor, eine alte Frau in Gummistiefeln und abgewetztem Pullover über einer fleckigen Jeans, und unter dem rechten Arm klemmt lässig ein Luftgewehr.“ (S.20)
Aber als Annika alles erklärt hat, lässt die Oma die Kinder auch ins Haus und Annika kann zum Bedauern der Kinder wieder abfahren.
„Dann sieht sie Annika hinterher; wie sie auf dem Weg zum Zaun Maulwurfshügel und Kuhfladen ausweicht. […] Und Mikkel sieht so unglücklich aus, das Martha weiß, sie muss sich zusammennehmen.“ (S.26)
Generell möchte Martha ihren Brüdern den Aufenthalt bei Inge so schön wie möglich machen, weshalb sie immer gut auf sie aufpasst und ihnen bei allem hilft. Denn die Oma sorgt sich Marthas Meinung nach gar nicht um die Kinder und ihr ist es egal, wenn etwas passiert.
„Immer lässt sie ihn jetzt einfach draußen spielen, als wäre so eine Landzunge mit Wasser drum herum nicht gefährlich für einen vierjährigen Jungen. Aber sie ist gefährlich! Und wenn Mats etwas passiert, ist Martha schuld. Auf die Oma kann man sich ja nicht verlassen. Die hat doch keine Ahnung davon, wie man sich um Kinder kümmern muss.“ (S.232)
Im Laufe des Buches wird der Aufenthalt von Martha, Mikkel und Mats bei Inge beschrieben, der sich dann doch länger zieht als zuerst geplant. Meiner Meinung nach wird besonders auf die Unterschiede bei der Oma im Vergleich zur Großstadt hingewiesen. Jeden Abend müssen die Hühner eingesperrt werden, es gibt keinen Fernseher, sondern nur einen Bücherschrank mit Büchern, die Martha komisch findet und abends gibt es Brot mit Ei statt Pommes.
Mir gefällt der Roman „Ein Sommer in Sommerby“ nicht sehr gut. Man kann das Buch schon zu Ende lesen, ohne sich „quälen“ zu müssen, aber ich hatte am Ende keinen Spaß mehr. Das ganze Gebiet und auch die Oma werden etwas schlecht gemacht und Martha findet immer etwas, was sie nicht toll findet oder irgendwie anderes machen würde. Auch über kleine Dinge regt sie sich total auf:
„Eine Schüssel hatte einen Sprung. So was sollte man gar nicht erst aufbewahren […], sonst gewöhnt man sich daran und nimmt den Sprung nachher gar nicht mehr wahr. Und dann hat man irgendwann einen liederlichen Haushalt. Aber diese Oma denkt über so was natürlich nicht mal nach. Man kann es drehen und wenden, wie man will, ihr Haushalt ist liederlich. Das Frühstücksgeschirr hat auch nicht zusammengepasst.“ (S.63)
Die ganze Hauptperson Martha gefällt mir generell nicht. Was ich besonders komisch an ihr finde, ist ihr Verlangen nach Whatsapp und Instagram. Die Oma hat nämlich kein Internet und WLAN, was Martha natürlich sehr schlimm findet, obwohl sie erst zwölf Jahre alt ist.
Auch die Schreibweise der Autorin finde ich bei diesem Buch manchmal etwas langweilig und die Handlung zieht sich oft in die Länge.
Ich würde das Buch also nicht empfehlen. Für Kinder unter 10 Jahren ist die Handlung sicher spannend, für Kinder von 10-12 Jahren, wie es beim Verlag Oetinger angegeben war, meiner Meinung nach eher langweilig.