
Der Roman „Müller hoch Drei“ von Burkhard Spinnen ist 2009 im Schöfflingverlag erschienen. Er hat 292 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.
Das Buch handelt von einem vierzehnjährigen Jungen namens Paul Müller, der gemeinsam mit seinen Eltern in Neustadt lebt. Am ersten Sonntag der Sommerferien jedoch kommen seine Eltern zu ihm und sagen, dass sie ihn verlassen würden.
„Deine Mutter und ich haben beschlossen, uns in Zukunft mehr mit uns selbst zu befassen. Wir wollen unsere Beziehung vertiefen. Wir werden älter, da wird es Zeit, inniger zueinanderzufinden. Und was dabei am meisten stört, bist du. Deshalb werden wir uns von dir trennen.“ (S.8)
Die beiden wollen also zusammen eine Weltreise machen und Paul soll im Haus zurückbleiben und sich um sich selbst kümmern.
„Wir haben dir einen Grundkurs in Lebensbewältigung hinterlassen. An die wichtigsten Sachen haben wir Zettel geklebt. Da steht alles drauf. Wie du die Waschmaschine bedienst. Wie du den Müll trennst. Wie du die Beutel im Staubsauger wechselst. Eben alles, was man braucht, wenn man für sich selbst verantwortlich ist.“ (S.9)
Und da seine Eltern das wirklich ernst meinen, fahren sie auch gleich los und verabschieden sich noch nicht einmal richtig von Paul.
„[…] obwohl ich nicht der besonders verschmuste Typ bin, wollte ich mich spontan wie ein Dreijähriger an eines meiner Elternteile klammern. Doch meine Mutter schien das zu ahnen und gab mir rasch zwei Küsse, die so flüchtig waren wie sie selbst.“ (S.11)
Paul ist natürlich ziemlich verzweifelt und legt sich erst einmal schlafen. Aber am nächsten Morgen wird er vom Postboten geweckt, der ein großes Paket bei ihm abgibt. Darin befindet sich ein Hund namens Piet, den seine Eltern ihm geschickt haben, damit Paul einen Freund hat. Paul freut sich darüber allerdings nicht so sehr.
„Ich setzte mich in sicherer Entfernung vor dem Hund auf die Erde, und wir schauten einander an. Er schaute interessiert, ich wahrscheinlich eher skeptisch. Mein Verhältnis zu Hunden war bislang gut ausbalanciert. Ich fand, dass Hunde schlecht rochen, und fürchtete mich davor, gebissen zu werden.“ (S.18)
Deshalb möchte Paul sich endgültig Hilfe holen, da er denkt, dass er alleine nichts auf die Reihe bekommt.
„Mir war jetzt klar, es würde kein besonders mutiger, kein besonders großartiger oder selbstständiger Schritt sein, dafür war ich einfach nicht gebaut. Doch es würde immerhin ein ehrlicher Schritt sein. Ich würde nämlich eingestehen, dass ich Hilfe brauchte. Jede erdenkliche Hilfe.“ (S.25)
Ihm fällt aber nur die Cousine seiner Mutter ein, die er Tante Elke nennt. Paul hat Elke aber lange nicht mehr gesehen, da sie eine merkwürdige Krankheit hat und sich Pauls Mutter daher nicht mit ihr getroffen hat.
„Sommers wie winters hatte sie eine gefährlich gerötete Nase, dauernd tränten ihre Augen, und ihre Stimme war ein weinerliches Dauerschniefen. Ihre ständigen Begleiter waren in Kräutertee gewaschene Taschentücher, und beim Essen lagen immer Dutzende von Pillen neben ihrem Teller.“ (S.26)
Sonst hat Paul nämlich keine Verwandten, die sich um ihn kümmern könnten.
„Weder mein Vater noch meine Mutter haben Geschwister und meine Großeltern wohnen erstens sehr weit weg und sind zweitens sehr aktive Menschen.“ (S.26)
Er fährt also mit dem Bus zu Elke, sie wohnt nämlich ganz nah. Im Bus setzt sich aber ein komisches Mädchen neben ihn und behauptet, dass sie seine verlorene Zwillingsschwester ist. Paul lässt sich davon zuerst nicht beeindrucken.
„Ich beschloss, mich an die Regel zu halten, wonach man mit Verrückten nicht argumentieren darf, und schaute weiter geradeaus.“ (S.31)
Das Mädchen möchte sich aber nicht mehr von ihm trennen und geht mit Paul zu Elke. Elke erzählt ihm dann auch, was es mit dem Mädchen auf sich hat, die übrigens Paula heißt. Sie erzählt, dass Paul mit zwei anderen Mädchen zur Welt kam. Paula und Pauline. Seine Eltern hatten dann aber keine Lust, sich um alle drei zu kümmern.
„Deine Mutter hat euch nach der Geburt etwa drei Minuten lang angeschaut und sich dann entschieden geweigert. Das war nicht nett, aber ich hab´s verstanden. Erstens saht ihr alle drei ziemlich verknautscht aus, zweitens waren deine Eltern damals blutjung und drittens so arm, dass sie kurz vor Monatsende regelmäßig mit dem Hungertod kämpften. Ich habe es dann immerhin geschafft, deine Mutter zu wenigstens einem Kind zu überreden. Dein Vater hat gewürfelt, und du warst der Glückliche.“ (S.48)
Paul ist nochmals ziemlich geschockt, glaubt jetzt aber alles und er und Paula machen einen Plan. Sie wollen nämlich ihre dritte Schwester, Pauline, finden, die von irgendwelchen anderen Menschen adoptiert wurde.
„Uns bleiben noch die Stiefeltern unseres dritten Drillings. Die müssen wir finden. Und denen schmeißen wir uns dann an den Hals. Oder werfen und ihnen vor die Füße. Egal! Die müssen uns jedenfalls retten.“ (S.84)
Paul, Paula und Piet machen sich also auf den Weg, um eine neue Familie zu gründen. Dabei bekommen sie unter anderem Hilfe von dem netten Bruno Hochschmidt. Er ist ein Privatdetektiv, der für Paula auch herausgefunden hat, wo Paul ist.
„Hochschmidt ist der Privatschnüffler, der für mich rausgekriegt hat, wer du bist und wo du wohnst. Und wenn er das rausgekriegt hat, dann weiß er auch, wo unsere Schwester ist.“ (S.85)
Und auch Piet, der mit vollem Namen übrigens Piet Montag heißt, da er an einem Montag zu Paul gekommen ist, hilft ihnen, etwas Geld zu bekommen. Er kann nämlich einige Kunststücke vorführen.
Mir gefällt das Buch ganz gut. Man weiß nicht gleich wie die Geschichte ausgeht und es bleibt immer spannend und aufregend. Manchmal ist die Handlung aber etwas verwirrend, denn das Buch erzählt nur über eine Woche und jeden Tag fahren Paul und Pauline an einen anderen Ort, treffen andere Leute und schmieden andere Pläne. Am Ende wusste ich dann gar nicht mehr, wo die beiden gerade sind und was sie als nächstes machen wollen.
Sonst finde ich den Roman aber sehr gelungen. Die Geschichte ist gut ausgedacht und alles ist genau beschrieben. Das Ende der Geschichte ist etwas offen, ich persönlich finde das jedoch nicht schlimm. Meiner Meinung nach können aber auch jüngere Kinder das Buch lesen, man muss nicht unbedingt zwölf Jahre alt sein.
Insgesamt würde ich den Roman „Müller hoch Drei“ also empfehlen. Er ist lustig, spannend, unterhaltsam und da das Buch relativ lang ist, hat man viel zu lesen.