
Der Roman „Ein Seehund für Herrn Albert“ von Judith Kerr ist 2016 im Fischer Sauerländer Verlag erschienen. Er hat 112 Seiten und eignet sich für Kinder ab 6 Jahren.
Das Buch handelt von einem Mann namens Albert Cleghorn, der mit großer Freude einen Kiosk führt.
„Bevor die Kinder aus der Schule kamen, hatte Herr Albert die zwölf großen Bonbongläser mit bunten Süßigkeiten aufgefüllt. Und er hatte immer gerne mit den Damen geplaudert, die Bleistifte, Notizblocks oder braunes Packpapier erstehen wollten.“ (S.8)
Herr Albert verkauft jedoch seinen kleinen Kiosk. Seitdem ist ihm sehr langweilig und er bereut seine Entscheidung.
„Ich hätte den Kiosk nicht verkaufen dürfen, dachte Herr Albert bei sich. Die Käufer hatten ihm zwar ein stattliches Sümmchen Geld bezahlt – aber wie sollte er sich jetzt nur die Zeit vertreiben?“ (S.9)
Er bekommt aber einen Brief von seinem Vetter William, der Herrn Albert fragt, ob er nicht mal wieder zu Besuch kommen möchte. Herr Albert sagt zu und setzt sich sofort in den Zug.
„Bestimmt war eine Reise unterhaltsamer, als alleine in der Wohnung herumzusitzen und sich zu langweilen.“ (S.13)
Als Herr Albert angekommen ist, freuen sich alle sehr und Herr Albert verteilt einige Geschenke.
„Zu Hause wurden sie von Williams Frau empfangen, die ein Baby in den Armen hielt. Zwei kleine Mädchen kamen aus dem Haus gerannt, schrien ‚Onkel Albert! Onkel Albert!‘ und zerrten ihn in die Küche, wo schon das Abendessen aufgetischt war.“ (S.15)
An Tag darauf möchte Tommy, der Sohn Williams, Herrn Albert unbedingt mitnehmen, um zwei Seehunde zu beobachten, da Tommy selbst dies regelmäßig tut.
„Schon bald sahen sie einen sandbedeckten Felsen, der aus dem Wasser aufragte. Auf diesem Felsen lag etwas Weißes – ein kleiner Seehund, der sich genüsslich in der Sonne aalte.“ (S.17)
Herr Albert findet die Seehunde sehr spannend und möchte nun öfter mit Tommy zu ihnen fahren. Doch bei einem Besuch sieht der kleine Seehund sehr krank und matt aus und Herr Albert und Tommy wundern sich.
„Eines Morgens jedoch lag er matt und kraftlos auf dem Felsen. Als der kleine Seehund die Ruder hörte, hob er kurz den Kopf, ließ ihn aber gleich wieder sinken. Der Kleine sah traurig aus und war viel dünner als bei ihrem letzten Besuch.“ (S.21)
Die beiden erzählen es William und am nächsten Tag kommt er mit, um den kleinen Seehund wenn nötig zu erschießen, da die drei davon ausgehen, dass seine Mutter gestorben ist und der kleine Seehund ohne sie nicht überleben kann. Als sie am üblichen Platz ankommen, geht es dem Seehund immer noch nicht besser und William möchte ihn töten. Herr Albert findet dies jedoch plötzlich nicht mehr gut und sagt, dass er den Seehund behalten und mitnehmen möchte.
„William tastete verstohlen nach seinem Gewehr, was Herrn Albert nicht entging. Und plötzlich hörte er sich etwas ganz und gar Verrücktes sagen. Er sagte nämlich: ‚Nein, tu es nicht, William. Ich nehme den kleinen Seehund mit zu mir.‘ “ (S.24)
Herr Albert zweifelt erst selbst noch an seiner Aussage, aber weil ihm der Seehund so leidtut, möchte er ihn wirklich mitnehmen. William, Tommy und er nehmen ihn also mit nach Hause und füttern ihn mit einer Mischung aus Milch und Lebertran.
„Zuerst tat sich gar nichts. Der kleine Seehund hockte reglos auf Herrn Alberts Schoß. Doch dann begann er plötzlich zu saugen und nuckelte dann immer eifriger, bis schließlich die ganze Flasche leer war.“ (S.30)
Anschließend fährt Herr Albert mit dem Seehund im Zug zu seiner Wohnung zurück, um ihn am nächsten Tag im Zoo abzugeben.
„Der Zug ratterte durchs Land, draußen wurde es langsam dunkel, und der kleine Seehund wandte den Blick nicht von Herrn Albert.“ (S.34/35)
Herr Albert bekommt dann aber die Nachricht, dass der Zoo den Seehund nicht aufnehmen kann und er muss den kleinen Seehund deshalb noch einige Zeit in seiner Wohnung halten, bis er ihn in einen anderen Zoo bringen kann. Glücklicherweise lernt Herr Albert aber seine Nachbarin Millicent Craig kennen und sie möchte ihm unbedingt helfen, da sie sich gut mit Tieren auskennt.
„Mein Vater war Tierarzt […] Er hat zwar hauptsächlich Hunde und Katzen behandelt, besaß aber jede Menge Bücher über Tiere.“ (S.49)
Die beiden versuchen gemeinsam, den Seehund geheim zu halten, denn der Pförtner kann es gar nicht leiden, wenn ein Bewohner ein Haustier oder etwas anderes in der Wohnung hält, das sich bewegt oder Geräusche macht.
„Haustiere sind hier nicht erlaubt! […] Keine Haustiere in den Wohnungen!“ (S.11)
Im Laufe des Buches wird beschrieben, wie Herr Albert sein neues Leben mit dem Seehund organisiert und wie er sein „Haustier“ geheim hält. Außerdem wird erzählt, wie Herr Albert und Fräulein Millicent versuchen, eine Heimat für den kleinen Seehund zu finden, da es nicht so einfach ist, einen Zoo zu finden, wie Herr Albert zuerst dachte. Denn in den Zoo in seine Nähe möchte Herr Albert den Seehund auf keinen Fall bringen.
„Auf dem Rückweg kamen Herr Albert und Fräulein Millicent am Seehundbecken vorbei. Bonbonpapier trieb im Wasser, und die beiden Seehunde lagen reglos neben dem Becken auf schmuddeligem Sand.“ (S.54)
Mir gefällt das Buch sehr gut. Ich finde die Geschichte total toll ausgedacht und auch sehr lieb, da der kleine Seehund und sein Verhalten immer sehr genau beschrieben sind. Leider ist das Buch etwas kurz (112 Seiten hören sich zwar nicht sehr kurz an), aber auf fast jeder Seite gibt es ein oder mehrere Bilder und die Schrift ist sehr groß. Da das Buch aber schon für Kinder ab 6 Jahren ist, kann ich das auch verstehen. Doch auch Erwachsene können das Buch prima lesen und haben Spaß daran. Besonders interessant fand ich die Hintergrundgeschichte des Romans. Judith Kerr, die Autorin von „Ein Seehund für Herrn Albert“, spielte nämlich oft mit dem ausgestopften Seehund ihres Vaters. Der Seehund lag in seinem Arbeitszimmer und Judith Kerr mochte ihn sehr.
„Es machte mir großen Spaß, mich auf ihn zu setzen und sein Fell zu streicheln.“ (S.108)
(Die Geschichte steht am Ende des Buches)
Insgesamt würde ich das Buch also auf jeden Fall empfehlen. Es ist lustig, unterhaltsam und meiner Meinung nach für jede Altersgruppe geeignet.