
Der Roman „Zwischen zwei Scheiben Glück“ von Irene Dische ist 2018 in deutscher Übersetzung im Carl Hanser Verlag erschienen und wurde mit dem deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Er hat 88 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.
Das Buch handelt von einem kleinen Jungen namens Peter, der in den 1930er Jahren alleine mit seinem Vater Laszlo Nagel in Ungarn lebt. Seine Mutter ist bei einem Unfall ums Leben gekommnen.
„Er fuhr sehr schnell, und als seine Frau vor Schreck die Augen zumachte, nahm er ihre Hand und drückte sie. […] Vielleicht lag es an einer Glasscherbe auf der Straße. Einer der Reifen platze. Mit der linken Hand allein konnte Laszlo das Lenkrad nicht festhalten. Der Wagen prallte gegen einen Baum. Auch Dalias Hand hatte er nicht fest genug gehalten. Dalia wurde getötet.“ (S.8)
Eines Tages muss Peters Vater nach Berlin, da er dort Diplomat wird und Peter kommt mit. Dort erlebt er sehr viel, geht mit Laszlo auf Feste, muss in die Schule und lernt sogar Deutsch.
„Oft stellte sich heraus, dass sie eingeladen waren. Laszlo führte seinen Sohn bei solchen Anlässen in aller Form ein: ‚Ich habe mir erlaubt, Peter Nagel mitzubringen.‘ Oder: ‚Darf ich ihnen Peter Nagel vorstellen?‘ Und immer saß Peter rechts neben seinem Vater. Er machte es wie dieser und sprach über das Wetter und über Sportereignisse.“ (S.33/34)
Und auch die Haushälterin Thea mag er sehr gerne.
„[…] Thea beschützte ihn […] Als ein Mitschüler ihn wegen seiner roten Haare aufzog, wartete sie am nächsten Morgen vor dem Eingang der Schule, bis der Junge vorbeikam, und zischte ihn an: ‚Peter ist neu hier. Kümmere dich um ihn, sonst bekommst du es mit mir zu tun.‘ Der Junge wurde Peters Freund […] Gegenüber Kindern in seinem Alter blieb er schüchtern. Er liebte seinen Vater so sehr, dass ihm kaum Kraft für andere Menschen blieb.“ (S.31)
Irgendwann muss Peter aber zu seinem Großvater nach Ungarn zurück, während sein Vater in Berlin bleibt. Die beiden haben jedoch ausgemacht, dass sie sich gegenseitig jede Woche einen Brief schreiben und Laszlo hält sich auch daran. Peter freut sich deshalb immer sehr, wenn eine Nachricht ankommt.
„Pünktlich an jeden Samstag kam ein Brief von Peters Vater. Samstagmorgens hockte sich Peter immer auf die hohe Mauer, die das Haus umgab. Von dort konnte er den Briefträger sehen, wenn der um die Straßenecke bog. Sobald er ihn erblickte, sprang er von der Mauer und stürmte ihm entgegen.“ (S.59)
Bald kommen sogar Briefe an, die mit einer Schreibmaschine geschrieben wurden und auch wenn Peter seinen Vater vermisst, fühlt er sich wegen der Briefe mit ihm verbunden.
Mit seinem Großvater Dr. Nagel versteht sich Peter nicht besonders gut. Dieser ist meist grummelig und böse und verbirgt seine Gefühle.
„Nie sagte Dr. Nagel etwas wirklich Nettes zu jemandem; Peter konnte sich nicht vorstellen, dass er es je getan hatte. Er mochte seinen Großvater nicht besonders.“ (S.62)
Im Laufe des Buches wird Peters Leben über mehrere Jahre bei seinem Großvater und auch die „Brieffreundschaft“ zwischen ihm und seinem Vater Laszlo beschrieben.
„Den heiligen Abend […] feierte Peter mit seinem Großvater und Fräulein Stecker. Die Köchin hatte eine Gans gebraten, der Hausdiener hatte im Wohnzimmer einen Weihnachtsbaum aufgestellt, und die Hausmädchen hatten den Esstisch mit Kerzen geschmückt. Alle standen um den Baum und sangen ungarische und deutsche Weihnachtslieder, und dann schenkte Fräulein Stecker Peter einen Schal […]“ (S.63)
Mir gefällt das Buch ganz gut, man muss jedoch mehr nachdenken und kann sich beim Lesen nie richtig entspannen. Das fing schon beim Titel („Zwischen zwei Scheiben Glück“) an. Im Buch gibt es nämlich eine Stelle, die diesen Titel erklärt:
„Großes Unglück liegt immer zwischen zwei Scheiben Glück.“ (S.84) Das bedeutet also, dass Peter in Unglück lebt.
Auch sonst musste ich viel über die Handlung nachdenken, was auch daran liegt, dass der Roman aus Peters Sicht geschrieben ist. Da Peter am Anfang ja noch sehr klein ist, wird ihm nicht vieles klar, was um ihn herum passiert und auch der Leser erfährt dann nicht viel. Was vor allem die Ereignisse im nationalsozialistischen Deutschland betrifft. Trotzdem fand ich es interessant, die Geschichte aus Peters Sicht zu sehen und am Ende, als Peter größer ist, wird einem auch vieles klarer, wo dann leider auch sehr traurige Stellen zum Vorschein kommen.
Ich habe auch manche Personen im Roman nicht richtig zuordnen können, das heißt, ich konnte ihren Charakter nicht gut bestimmen. Das ist zum Beispiel bei Laszlo Nagel, also Peters Vater, so. Ich habe den Eindruck bekommen, er mag Peter sehr (er macht auch oft Ausflüge mit ihm):
„Er war ein lustiger Vater. Manchmal nahm er einen Tag frei, um mit seinem Sohn zu spielen.“ (S.9)
Trotzdem lässt er seinen Sohn dann ganz alleine über mehrere Jahre bei einem unfreundlichen Großvater zurück, während er selbst in Berlin bleibt. Gerade dieser Gegensatz zwischen dem lebenslustigen Vater und dem steifen, strengen Großvater macht es für Peter schwer.
Insgesamt finde ich das Buch aber ganz gut und würde es weiterempfehlen.