
Der Roman „Die Mississippibande – Wie wir mit drei Dollar reich wurden“ von Davide Morosinotto ist 2017 in deutscher Übersetzung im Thienemannverlag erschienen. Er hat 368 Seiten und eignet sich für Kinder ab 10 Jahren.
Das Buch handelt von vier Kindern namens Te Trois, Eddie, Julie und Tit, welche im Bayou (Sumpflandschaft im Mississippidelta) angeln gehen und dabei eine Blechdose mit 3 Dollar finden.
„Es kamen Wasser und Schlamm heraus. Und drei Münzen. Drei Dollarmünzen, die in dem Sonnenfleck auf dem Boden des Einbaums blitzten und glänzten.“ (S.15)
Die vier freuen sich sehr und möchten das Geld natürlich auch ausgeben, indem sie sich etwas aus dem Katalog des Versandhauses Walker & Dawn bestellen. Lange überlegen sie, wofür ihr Geld reicht und Te Trois kommt auf die Idee, einen Revolver zu kaufen.
„ ‚Ich weiß, wie wir unsere drei Dollar ausgeben können.[…] Wir kaufen uns einen Polizei-Revolver.‘ Und endlich ließ ich die anderen die Abbildung im Katalog sehen. ‚Automatisch nachladender Revolver mit Double-Action-Abzug. Kaliber 38, geriffelter Lauf. Alles in allem eine sichere und vertrauenswürdige Waffe. In Einzelteile zerlegbar.‘ (S.33)
Da Eddie, Julie und Tit einverstanden sind, bestellen sie die Waffe. Als das Paket jedoch endlich ankommt, enthält es keinen Revolver, sondern eine alte Uhr.
„Es war ein billiges Ding mit einem Gehäuse aus angelaufenem, stumpfen Silber und einem zerkratzten Uhrglas. Auf dem Zifferblatt waren keine Zahlen, sondern nur Gruppen von Strichen und X-Zeichen. Im unteren Teil des großen Ziffernblatts war ein kleines Zifferblatt, das möglicherweise die Sekunden anzeigte. Oben, dort wo die Uhrkette befestigt wird, war auch die Krone mit der man die Uhr aufzog.“ (S.53)
Die Kinder wundern sich und behalten die Uhr erst einmal. Bald kommt jedoch ein Mann namens Jack des Versandhauses Walker & Dawn in die Stadt und sucht jemanden, der einen falschen Artikel erhalten hat. Er wird auf die Kinder aufmerksam und sagt ihnen, dass sie, wenn sie ihm die Uhr zurückgeben, 50 Dollar als Belohnung erhalten.
„ ‚Und wenn ihr, wie ich glaube, diejenigen seid, die ich suche, dann werde ich euch bitten, mir diesen Gegenstand zu geben. Als Gegenleistung erhaltet ihr von mir eine schöne Belohnung. […] Haltet euch fest! […] Denn ich rede hier von 50 Dollar! 50 Dollar ganz allein für euch!‘“ (S.70)
Te Trois, Eddie, Julie und Tit verraten ihm natürlich von ihrem Besitz der Uhr und machen mit Jack aus, sich um Mitternacht zu treffen, um sie ihm zu übergeben und die 50 Dollar zu bekommen. Jack und Te Trois streiten sich jedoch etwas, da Te Trois zuerst das Geld haben will, um danach die Uhr abzugeben. Jack jedoch ist damit nicht einverstanden.
„Ich hätte nie gedacht, dass dieser Jack so schnell reagieren könnte. Im nächsten Augenblick packte er mich am Hemdkragen und zog mich hoch, sodass seine Laterne gegen meine Brust drückte.“ (S.79)
Die Kinder laufen weg und Jack verfolgt sie, versinkt aber im Treibsand und stirbt. Te Trois, Eddie, Julie und Tit finden in seinen Taschen einen Brief, der aussagt, dass es sehr wichtig sei, die Taschenuhr schnell der Firma Walker & Dawn zurückzugeben. Als Belohnung gäbe es 4000 Dollar. Kurzerhand beschließen die vier, sich auf den Weg nach Chicago zu machen, da in dem Brief auch steht, das man die Uhr auf gar keinen Fall mit der Post verschicken sollte.
„Anschließend soll sich der betreffende Handelsvertreter sofort in den nächsten Zug nach Chicago setzen und das Objekt persönlich in den Firmensitz von Walker & Dawn bringen. […] Auf gar keinen Fall aber darf das Objekt mit der Post verschickt werden, noch darf das Objekt auch nur eine Sekunde unbewacht bleiben. Es ist unbedingt persönlich zu übergeben.“ (S.96)
Die Kinder haben einige Probleme mit ihren Eltern, weshalb sie sofort mit ihrem Einbaum losfahren, ohne ihnen Bescheid zu geben. Dafür verstehen sie sich untereinander sehr gut und können über alles reden. Nur Tit ist immer sehr schüchtern und hat oft Angst.
„Es ist schwer zu sagen, was Tit alles kann, weil er so wenig spricht.“ (S.43)
Dafür ist Julie umso offener. Sie ist stark und selbstbewusst und Te Trois und Eddie sind etwas in sie verliebt. Tit ist ihr kleiner Bruder.
„[…] ich wusste, dass ich härter war als ein Junge.“ (S.276)
Eddie ist zudem ein Schamane der Sümpfe. Er behauptet, sich mit den Tieren verständigen zu können und wird auch Eddie die Grille genannt.
„ ‚Eddie, was ist da draußen?‘, fragte Te Trois. ‚Ein Schlangennest, drüben am Ufer, aber ich glaube nicht, dass sie uns gefährlich werden können. […] Aber zwei Meter vor uns lauert ein Alligator, wir sollten ihn lieber in Ruhe lassen.‘ Te Trois nickte und lenkte den Einbaum zum Ufer. Er vertraute mir. Dabei macht er sich sonst immer über mich lustig, wenn ich sage, dass ich die Sprache der Tiere verstehen könnte.“ (S.105)
Und Te Trois selbst ist sehr stark und meist der Anführer der Gruppe.
„Jetzt blieb nur noch eine sehr wichtige Frage zu klären und zwar, wer von uns der Expeditionsleiter sein sollte. Ich wollte es nicht aussprechen, aber im Grunde kam nur ich infrage. Eddie war dafür nicht stark und entschlossen genug und außerdem trug er eine Brille. Joju war ein Mädchen und Tit war sowieso zu klein.“ (S.100)
Im Laufe des Buches wird die Reise der vier Kinder auf dem Schiff, im Zug und zu Fuß beschrieben. Das Besondere dabei ist, dass die Geschichte aus den einzelnen Perspektiven der Kinder erzählt wird. Der erste Teil („Der Bayou“) wird von Te Trois erzählt, der zweite Teil („Der Fluss und die Straße“) von Eddie, der dritte Teil („Die Stadt“) von Julie und der letzte Teil („Das große Haus“) von Tit. Jedoch ist dieser Teil sehr kurz und beschreibt eher die Zeit der Kinder, als sie schon Erwachsen sind.
Mir gefällt das Buch sehr gut und es zählt zu einem meiner (vielen) Lieblingsbücher. Als erstes finde ich die ganze Reise der Kinder sehr interessant, da sie ausführlich und spannend beschrieben wird. Es gibt viele Details
„Meine verschwitzten Hände fanden an dem Griff keinen sicheren Halt mehr […] Ich verlor das Gleichgewicht, meine Hände rutschten von dem Griff ab und ich stürzte […] die scharfen Steine piksten und zerschnitten meine Haut. Ein stechender Schmerz fuhr durch meine Schulter und Tränen stiegen mir in die Augen.“ (S.210/211)
und man kann das Buch nur schwer aus der Hand legen. Außerdem hört sich die Geschichte wirklich so an, als hätten sie vier Kinder erzählt. In manchen anderen Büchern, aus denen aus der Sicht der Kinder oder eines Kindes geschrieben wird, gelingt das nicht so gut wie in „Die Mississippibande“. Meine Begeisterung des Buches liegt auch an den Zeichnungen von Stefano Moro, die man immer am Anfang eines neuen Kapitels findet. Sie sehen total echt aus und passen meist auch gut zum Inhalt des nach dem Bild folgendem Kapitel. (Unten auch ein Beispiel). Auch der Titel („Die Mississippibande – Wie wir mit drei Dollar reich wurden“) passt gut. Ich würde das Buch also auf jeden Fall empfehlen.

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