Hervé Jaouen: Pardon, Monsieur, ist dieser Hund blind?

Der Roman „Pardon, Monsieur, ist dieser Hund blind?“ von Hervé Jaouen ist 2013 in deutscher Übersetzung im Urachhaus erschienen. Er hat 191 Seiten und eignet sich für Kinder ab 12 Jahren.

Das Buch handelt von einem dreizehnjährigen Mädchen namens Veró, welche mit ihrer Mutter, ihrem Vater und ihrem Bruder Guillaume im Jahre 1996 in Nordfrankreich lebt. Veró hat das schönste Zimmer im ganzen Haus, doch sie bekommt die Nachricht, dass ihre Großmutter dort einziehen wird. Sie selbst zieht auf den Dachboden.

„Wir werden dir den Dachboden herrichten, gegenüber von Omamas Zimmer. Ihr werdet euch das Badezimmer teilen. Geht das?“ (S.16)

Veró findet das gar nicht gut, da sie ihr Zimmer sehr mag und nicht „umziehen“ möchte.

„Man gibt Omama MEIN Zimmer?“ (S.13)

Als Verós Großmutter dann schließlich einzieht, geht die Familie mit ihr zu Dr. Guillou, ein Freund der Familie, und macht mit ihr einen sogenannten „Folstein-Test“.

„‘Sagen sie mir, […], welchen Tag haben wir heute?‘ ‚Freitag!‘, antwortete Oma schlagfertig. Leider war es ein Mittwoch. […] Auf einem Testblatt trug Dr. Guillou eine Null in ein Kästchen ein.“ (S.18)

Anschließend wird festgestellt, dass Verós Oma Alzheimer hat. Die Familie ist von Verós Oma leider schnell genervt, da sie heimlich Besteck und allerlei andere Gegenstände unter ihrem Bett versteckt. Sie denkt nämlich, dass noch Krieg herrscht.

„Sie schaute sich verstohlen um, steckte rasch die Serviette in ihr Dekolleté und dann, schwupp! Gabel und Messer in ihre Handtasche!“

Zudem löscht sie sogar wichtige Dateien auf dem Computer von Verós Mutter.

„Omama sitzt auf ihrem Platz vor dem Mac, die Hände auf die Tasten gelegt, die Finger gespreizt, wie eine mustergültige Schreibkraft. ‚Omama, nein! NEIN! Ich hab das doch nicht…‘ Gespeichert! Maman lässt ihr Tablett fallen. Zu spät! Verstört kann sie nur noch auf Omamas Hände starren, die tippen, tippen, tippen! Und bald erscheint auf dem Bildschirm die schreckliche Botschaft: SIE KÖNNEN IHREN COMPUTER JETZT AUSSCHALTEN.“ (S.56)

Im Laufe des Buches wird weiter beschrieben, wie Verós Familie mit ihrer kranken Großmutter zurechtkommen muss, da ihre Krankheit auch immer schlimmer wird. Aber auch über Verós Probleme wird gesprochen. Sie erzählt von ihrer ersten Liebe und anderen Kleinigkeiten wie Streit mir ihrem Bruder.

Mir gefällt das Buch nicht so gut. Zuerst einmal gibt es sehr viele schwierige Wörter, die ich nicht verstanden habe. Schon auf der ersten Seite gab es davon vier Begriffe merkwürdige Begriffe. Einige andere Beispiele:

„Dr. Guillou verbarg seinen Pessimismus nicht.“ (S.132)

„Woran hat Omama wohl gedacht, als sie zur Computertomographie in die Röhre geschoben wurde […]“ (S.37)

Der Beweis dafür war, dass sie auf dem Rückweg im Auto davon sprach, ihre Obstbäume mit Kupfervitriollösung zu behandeln.“ (S.76)

„Omamas Haus ist eine alte Fachwerkvilla, eingebettet in die bretonische Bocage-Landschaft […]“ (S.5)

Das bewirkt auch, dass sich der Roman nicht so anhört, als hätte Veró ihre Erlebnisse selbst aufgeschrieben. Auch der Schreibstil hört sich gar nicht wie der von einem dreizehnjährigen Mädchen an. Zudem ist mir aufgefallen, dass ganz oft der Satz „Lassen wir das“ vorkommt. Ich habe diesen Ausdruck wirklich sehr oft im Buch gelesen (meistens am Ende eines Absatzes) und fand das etwas verwirrend. Wahrscheinlich soll damit ausgedrückt werden, dass Veró ihren Problemen aus dem Weg gehen will, aber mich hat es irgendwie total genervt, dauernd diesen Satz lesen zu müssen.

„Was für ein Anblick, wie Omama Papa im Griff hatte! Lassen wir das.“ (S.90)

„Apropos, wo war eigentlich dieses kostbare Puppengeschirr? Von Tante Katha geklaut, mit Sicherheit. Aber lassen wir das.“ (S.34)

„Kein Wunder, dass er bei mir am Tag zuvor am Strand dermaßen Süßholz geraspelt hat…Lassen wir das.“ (S.69)

Außerdem finde ich, dass der Titel des Romans („Pardon, Monsieur, ist dieser Hund blind?“) überhaupt nicht passt. Es kommt einmal im Buch eine Stelle vor, an der Veró mit ihrer Oma am Strand ist (S.106) und sie einen Hund sieht, der blind ist. Omama denkt dann, der Hund sollte eine dunkle Brille tragen und teilt dies auch dem Herrchen mit.

„‘Pardon, Monsieur, sagten sie nicht, der Hund sei blind?‘ ‚Vollkommen blind, Großmutter!‘ Ich zitiere wortwörtlich: ‚Nun, können Sie mir in diesem Fall erklären, warum er keine dunkle Brille trägt?‘ Im Grunde genommen völlig logisch…“ (S.106)

Aber lassen wir das 😉

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