
Der Roman „Maia oder als Miss Minton ihr Korsett in den Amazonas warf“ von Eva Ibbotson ist 2003 in deutscher Übersetzung im Cecilie Dressler Verlag erschienen und 2006 im dtv-Verlag. Er hat 382 Seiten und eignet sich für Kinder ab 10 Jahren.
Das Buch handelt von einem Mädchen namens Maia, welche wegen dem Tod ihrer Eltern in einem Internat lebt.
„Es war nicht leicht für sie gewesen, den Verlust der Eltern, die vor zwei Jahren bei einem Zugunglück in Ägypten ums Leben gekommen waren, zu verarbeiten. Alle im Haus wussten, dass Maia jede Nacht unter ihrem Kopfkissen geweint hatte […]“ (S.10)
Sie bekommt jedoch die Nachricht, dass Verwandte sie in Brasilien aufnehmen wollen. Gemeinsam mit ihrer Gouvernante (eine „Gouvernante“ ist eine alte Bezeichnung für „Erzieherin“) macht sie sich auf einem Schiff auf den Weg nach Manaus. Maia selbst freut sich schon sehr auf ihr neues zu Hause, besonders, da es am Amazonas liegt. Aber auch auf die zwei Kinder der Familie Carter ist sie sehr gespannt. Die beiden haben ihr sogar vor ihrer Reise einen kleinen Brief geschickt:
„Liebe Maia, wir hoffen, dass du kommst und bei uns lebst. Wir stellen uns das nett vor.“ (S.12)
Doch als Maia ankommt, merkt sie, dass sie ihre neue Familie ganz und gar nicht mag. Die zwei Kinder Gwendolyn und Beatrice, welche Zwillinge sind, sind gemein zu ihr und schließen sie aus. Mrs Carter möchte alle Insekten töten und tut alles dafür, keine Tierchen oder ähnliches ins Haus zu lassen.
„Auf niedrigen Tischen standen Schüsseln mit Spiritus, in denen ertrunkene oder ertrinkende Mücken schwammen. […] Man fühlte sich wie in dem Flur eines Krankenhauses […]“ (S.47)
Dazu ist das Essen nicht besonders lecker und Mrs Carter achtet auch hier auf Reinlichkeit.
„Du wirst keine einheimischen Lebensmittel auf meinem Tisch finden […] Es gibt Leute, die gehen auf den Markt und kaufen indianisches Essen, das würde ich niemals gestatten. Nichts ist sauber, alles voller Keime.“ (S.47)
Mr Carter sammelt Glasaugen und ist nicht sehr gesprächig.
„Er hob einen der größten Augäpfel auf, dessen Weiß mit winzigen roten Äderchen überzogen war, und hielt ihn ans Licht.“ (S.73)
Zudem geht die ganze Familie nie an die frische Luft, weswegen Maia sich sehr eingesperrt fühlt.
„Wir gehen nie raus, es ist viel zu heiß und alles ist voll grässlicher Tiere.“ (S.51)
Nur Miss Minton ist Maias Hilfe. Sie gibt ihr viele Informationen über den Regenwald und Maia darf oft in ihren Büchern lesen.
„Sie las von den Forschern, die unter unglaublichen Schwierigkeiten Karten von den Flüssen und Bergen Brasiliens angefertigt hatten; sie kopierte die Zeichnungen von Krallenaffen und Anakondas […] Es schien, als gäben Miss Mintons Bücher ihr das geheimnisvolle Land zurück, nach dem sie sich so gesehnt hatte und welches die Carters aussperrten.“ (S.70/71)
Im Laufe des Buches lernt Maia die anderen Menschen in Manaus kennen. Auch den halbindianischen Jungen Finn mag sie. Er wird jedoch von Privatdetektiven gesucht, da sein Großvater ihn auf sein Anwesen „Westwood-House“ holen will. Finn ist nämlich sein einziger Erbe. Gemeinsam mit Maia versucht Finn also, die beiden Detektive zu täuschen.
Mir gefällt das Buch sehr gut. Ich finde es besonders interessant, die Beschreibungen des Regenwaldes und die Reise zu den Carters von Maia zu hören.
„Ab und zu kamen sie an Sandbänken vorbei und Maia sah die ersten der Lebewesen, von denen sie gelesen hatte: einmal einen Wurf Capybaras, der hinter der Mutter hertapste […] Und einmal sah Maia einen grauen Baumstamm am Ufer liegen, der plötzlich zum Leben erwachte.“ (S.35)
Ich fand es manchmal ziemlich erschreckend zu hören, wie die Zwillinge Beatrice und Gwendolyn mit anderen Menschen umgehen. Die beiden sind sehr eingebildet und verwöhnt. Es gab aber auch Personen, für die ich mich sehr interessiert habe, zum Beispiel für Finn.
Besonders viele lustige Stellen gab es meiner Meinung eher nicht, dafür ist der Roman sehr spannend und aufregend. Da er zudem sehr lang ist, hat man auch viel davon.
Ich habe nach dem Lesen des Buches gelesen, dass Eva Ibbotson das Buch ihrem Mann widmete, da er verstorben ist. Er mochte den Dschungel sehr gerne, weshalb Eva Ibbotson diesen Handlungsort wählte und viel über die Natur und die Tiere erzählte. Ich finde, das ist ihr sehr gut gelungen.